Zeitalter großer Klärwerke ist vorbei

Till Backhaus
Till Backhaus

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03. März 2009, 07:23 Uhr

Schwerin | Mecklenburg-Vorpommern erhöht den Druck bei der Sanierung maroder, vorwiegend kleinerer Abwasseranlagen privater Hausbesitzer: Bislang seien die Investitionen in ordnungsgemäße Entsorgungsanlagen nur schleppend vorangekommen, sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD) gestern. Gerade einmal 2000 Anlagen hätten Hausbesitzer jährlich auf den neuesten technischen Stand gebracht. Obwohl das Land die Sanierung in den letzten Jahren bereits mit mehr als 14 Millionen Euro gefördert habe, entsprächen drei Fünftel der 72 600 Kleinkläranlagen in MV nach wie vor aber nicht den Anforderungen des Gewässerschutzes. Marode Anlagen hätten in einigen Gebieten schon zu erhöhten Nitratbelastungen geführt. Die Einleitung von unzureichend gereinigtem Abwasser sei "auf Dauer nicht hinnehmbar", sagte Backhaus. Bis spätestens 2013 sollen alle Anlagen modernisiert sein.

Wasserbehörden drängen auf schnelle SanierungInzwischen hätten Zweckverbände und Gemeinden jetzt Konzepte entwickelt und festgelegt, in welchen Gebieten Abwasser in zentrale oder dezentral entsorgt werden solle. Die Wasserbehörden seien Ende 2008 angewiesen worden, auf eine schnelle Sanierung zu drängen, sagte Backhaus. Ansonsten müssten die Anlagen geschlossen werden.

Mit dem vom Land geschnürten Förderpaket haben private Hausbesitzer bei der Sanierung von Kleinkläranlagen so gute Bedingungen wie nie zuvor. So gewährt das Land bei Anlagen für bis zu zehn Einwohnern 1500 Euro, für bis 20 Einwohner 3000 Euro und bis 50 Einwohner 4000 Euro. Damit würden Millioneninvestitionen ausgelöst, sagte Backhaus. Das bis zum Jahresende befristete Programm sei bereits mit dem Landesrechungshof abgestimmt worden, sagte Backhaus. Ende der Woche sollen auch die Sozialpartner im Begleitausschuss verständigen.

In der Vergangenheit falsche InvestitionsentscheidungenMit der Förderung kleiner Anlagen schlägt das Land einen neuen Kurs in der Abwasserentsorgung ein: Mehr als eine Milliarde Euro sei in der Vergangenheit in Mecklenburg-Vorpommern vorwiegend in zentrale Kläranlagen investiert worden. Die Entscheidungen seien "nicht immer richtig gewesen", sagte Backhaus. Die Abwasserinvestitionen waren wegen überdimensionierter Anlagen wie beispielsweise in Zarrentin und Wustrow in die Kritik geraten. Mit millionenschweren Aufwand sind die Planungsfehler mittlerweile durch den Anschluss zusätzlicher Nutzer durch lange Überlandleitungen und den Bau teurer Pumpwerke korrigiert worden. Für Backhaus steht fest: "Das Zeitalter des Baus großer zentraler Anlagen ist vorbei."

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