Zehn Prozent tendieren zu Rechtsextremismus

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09. September 2009, 08:21 Uhr

Berlin/Neubrandenburg | Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat davor gewarnt, den Rechtsextremismus als ein typisch ostdeutsches Phänomen wahrzunehmen. Laut einer gestern vorgestellten Untersuchung zu rechtsextremen Einstellungen in Ostdeutschland tendieren zehn Prozent aller Deutschen zu rechtsextremen Einstellungen.

Die vom Verkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie der Uni Bielefeld untersuchte rechtsextreme Einstellungen in Neuhardenberg (Brandenburg), Altenburg (Thüringen), Anklam, Borna (Sachsen), Wernigerode (Sachsen-Anhalt) und Neubrandenburg. In Neubrandenburg wurden zudem in zwei Stadtteilen empirische Daten erhoben. Dabei wurde die Art der Diskriminierung von Minderheiten ermittelt. Geplant ist eine ähnliche Studie in westdeutschen Städten.

Rechtsextremismus finde nicht mehr in Hinterhöfen statt, sondern im öffentlichen Raum, sagte der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer. Bei "älteren Menschen" seien im Rahmen der Untersuchung "höhere Werte" bei der Abwertung von Minderheiten festgestellt worden als bei jüngeren. Demgegenüber seien "jüngere Menschen" eher gewalttätig.

Die größten Probleme seien die Normalisierung der NPD, sagte Heitmeyer weiter. Immer wieder sei festzustellen, dass die NPD "die Rolle des Kümmerers" annehme und so für ein positives Image sorge. Dort, wo die NPD Wahlerfolge erziele, werde die Partei zunehmend als normal wahrgenommen. Gleichzeitig forderte Heitmeyer, die lokalen Akteure gegen Rechts zu stärken. Ziel der Untersuchung sei es, den Menschen vor Ort gesicherte Informationen über den Zustand ihres Gemeinwesens bereitzustellen. Tiefensee sprach sich dafür aus, dort aktiv zu werden, wo die Abneigung gegen Ausländer am größten sei, "nämlich dort, wo es fast keine Ausländer gibt". Dabei spiele auch die Unterstützung von Sportvereinen, freiwilligen Feuerwehren und Jugendtreffs eine große Rolle.

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