zur Navigation springen

Kulturförderung : Wieder Platz für Neues schaffen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bildungsminister Brodkorb will „Demokratisierung der Kulturförderung“ - Land stellt zwei Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 06:30 Uhr

200 – so viele Anmeldungen zu einer Landeskulturkonferenz gab es noch nie. „Vielleicht liegt das daran, dass der Minister angekündigt hat, es gebe mehr Geld“, mutmaßte der Vorsitzende des Landeskulturrates, Dr. Michael Körner, im Vorfeld der Veranstaltung im Schweriner Schloss.

Tatsächlich sind im Doppelhaushalt 2016/17 für die freie Kulturförderung pro Jahr 11,5 Millionen Euro und damit 2 Millionen bzw. 22 Prozent mehr als bisher vorgesehen. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hat zwar schon Vorstellungen, wie dieses Geld verteilt werden soll. Die letzte Entscheidung möchte er aber den Kulturschaffenden selbst überlassen – denn anders als die öffentliche Hand seien sie in der Lage zu beurteilen, was innovativ, spannend und damit zukunftsweisend ist. Bereits vor der Konferenz hatte der Minister erklärt: „Wir wollen zu einer Demokratisierung der Kulturförderung kommen, indem wir uns als Land davon verabschieden, Entscheidungen zu treffen.“

Brodkorbs Vorschlag zur Mittelverwendung sieht ein Drei-Säulen-Modell vor: Mit einem Viertel des zusätzlichen Geldes möchte er die Basisförderung für diejnigen Kulturprojekte und -institutionen erhöhen, die langfristig erhalten werden sollen. Eine weitere halbe Million könnte in Investitionen fließen, für die bislang dem Minister zufolge so gut wie kein Geld zur Verfügung steht. Die Auswahl förderfähiger Investitionen soll gemeinsam mit dem Kulturrat erfolgen, gute Chancen rechnet Brodkorb beispielsweise Projekten zur Digitalisierung von Bibliotheken oder Kinos aus. Die Mittel des Landes sollten allerdings nur als Ko-Finanzierung ausgereicht werden.

Als dritte Säule schlägt der Minister ein Innovationsprogramm vor – mit einem Volumen von einer Million Euro. „Die Ausgangsfragen müssen dabei lauten: Wo wollen wir kulturpolitisch hin? Und was machen wir Neues?“ Der Landes- und die Kreiskulturräte werden diese Fragen bis zum Jahresende mit Akteuren vor Ort diskutieren.

Dass dabei auch unbequeme Fragen auf den Tisch kommen, ist für den Landeskulturrats-Vorsitzenden allerdings unausweichlich: „Es gibt im Land keine Mechanismen um Projekte, die einmal gefördert wurden, wieder auslaufen zu lassen“, so Körner. Die seien aber nötig, „um Platz für Neues zu schaffen“. Auch Brodkorb sieht hier Handlungsbedarf: „Wir hatten über viele Jahre keine echte Kulturförderung mehr, sondern Buchungssysteme.“

„Öffentliche Förderung macht immun dagegen, sich neu zu erfinden“, meint auch der Direktor des Berliner Zentrums für Kulturforschung (ZfKf), Prof. Dieter Haselbach. Er plädierte auf der Konferenz dafür, Kulturförderung generell neu zu denken, denn durch die öffentlich geförderten Kulturangebote würden in Deutschland gerade einmal fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung erreicht. „Kultur für alle“ , wie oft als Anspruch formuliert werde, gebe es also gar nicht, so Haselbach.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen