Zerfall von Schlecker : Wie geht es weiter nach dem Aus?

<strong>Schlecker hat noch rund 2800 Filialen</strong> in Deutschland. Sie bieten ihre Waren nun zu reduzierten Preisen an. <foto>M. Hiekel/dpa</foto>
Schlecker hat noch rund 2800 Filialen in Deutschland. Sie bieten ihre Waren nun zu reduzierten Preisen an. M. Hiekel/dpa

Das Aus für Schlecker ist besiegelt. Es wird aber nicht von heute auf morgen vollzogen sein. Was bedeutet das Ende Schleckers konkret für Mitarbeiter, Geschäftspartner, die Gründerfamilie und die Kunden?

svz.de von
03. Juni 2012, 10:09 Uhr

Ehingen | Das Aus für Schlecker ist besiegelt. Es wird aber nicht von heute auf morgen vollzogen sein. Die Abwicklung der insolventen Drogeriekette aus dem baden-württembergischen Ehingen zieht einen langen Rattenschwanz mit sich. Was bedeutet das Ende Schleckers konkret für Mitarbeiter, Geschäftspartner, die Gründerfamilie und die Kunden?

Wie lange haben die 13 200 Mitarbeiter noch ihren Job?

Nach Angaben des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz können die Beschäftigten bis Ende Juni mit der Kündigung rechnen. Es werden nicht alle gleichzeitig ihren Job verlieren, das hängt von den Kündigungsfristen ab. Gehen die meisten Kündigungen und Freistellungen wie geplant Ende des Monats raus, dürfte der Großteil der Belegschaft spätestens zum 1. Oktober arbeitslos werden.

Welche Kündigungsfristen gelten?

Wegen der Insolvenz gelten die üblichen Fristen nicht. Sie betragen nur noch maximal drei Monate. Längere Kündigungsfristen verlieren ihre Gültigkeit. Das regelt die Insolvenzordnung. Insolvenzverwalter Geiwitz wird sich mit Gewerkschaft und Betriebsräten treffen, um einen Interessenausgleich und Sozial plan zu verhandeln. Er versprach der Belegschaft: "Ihnen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, kann ich versichern, dass wir uns auch in der Abwicklung absolut fair verhalten werden."

Müssen die Beschäftigten um ihr Geld bangen?

Die laufenden Kosten - dazu zählen die Gehälter - werden von der Insolvenzmasse gedeckt. Geiwitz versicherte: "Die laufenden Gehaltszahlungen sind sichergestellt und auch Mehrstunden werden bezahlt."

Schlecker hat Verträge mit vielen Geschäftspartnern - was passiert?

Auch diese Verträge wird Schlecker aufkündigen, betroffen sind davon Vereinbarungen etwa mit Vermietern und Lieferanten. Auch hier gelten verkürzte Kündigungsfristen. Schlecker wird den Wareneinkauf sofort stoppen. Der Betrieb wird stillgelegt. In der Insolvenz bestellte Waren werden von der Insolvenzmasse gedeckt, genau so wie andere Dienstleistungen aus dieser Zeit.

Wann werden Filialen geschlossen?

Noch in dieser Woche soll der große Ausverkauf aller Waren beginnen. Dann beginnen Rabattaktionen wie "20 Prozent auf alles", die Nachlässe werden sukzessive erhöht. Schlecker wird versuchen, auch die Einrichtung und technische Geräte an den Mann zu bringen. Wenn alles verkauft ist in den rund 2800 deutschen Filialen, sollen die Märkte geschlossen werden. Nach Geiwitz könnte das Ende Juni bis Mitte Juli der Fall sein.

Was wird alles zu Geld gemacht und wie lange dauert das?

Wie lange die Abwicklung im Fall Schlecker dauert, ist unklar. Geiwitz will alles "zügig" durchziehen. Neben den Schlussverkäufen, werden die Auslandstöchter veräußert. Die deutschen Töchter IhrPlatz und Schlecker-XL sind schon so gut wie über den Verkaufstisch. Auch einzelne Schlecker-Filialen sollen verkauft werden können. Vermögenswerte wie Logistikstandorte und Unternehmensimmobilien werden auch verscherbelt. Alles Geld fließt in die Insolvenzmasse.

Muss auch Anton Schlecker noch mal zur Kasse?

Anton Schlecker haftet mit seinem Privatvermögen. Alles was noch übrig ist, fließt in die Insolvenzmasse. Das Vermögen beschränkt sich etwa auf Luxusautos und Kunstgegenstände. Einem Bericht zufolge hat seine Familie trotz Insolvenz noch knapp 40 Millionen Euro. Das Geld gehört größtenteils den Kindern, die Familien-Villa seiner Frau.

Was passiert mit der Insolvenz masse?

Sie deckt die laufenden Kosten, darunter auch die Tätigkeit der Insolvenzverwaltung. Der Rest kommt in einen Topf und wird unter den Gläubigern aufgeteilt.

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