"Wie die Deppen"

Holz aus dem Biosphärenreservat Schaalsee. Mag guter Qualität sein, hat aber seit heute kein Siegel mehr: Holz aus MV.    Foto: Volker Bohlmann
Holz aus dem Biosphärenreservat Schaalsee. Mag guter Qualität sein, hat aber seit heute kein Siegel mehr: Holz aus MV. Foto: Volker Bohlmann

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02. Januar 2008, 08:55 Uhr

SCHWERIN - Dem Land Mecklenburg-Vorpommern ist zum zweiten Mal seit Mai 2006 das FSC-Gütesiegel für ökologische Waldwirtschaft entzogen worden. Anlass seien wiederum die Zustände im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, sagte die Landesgeschäftsführerin des Naturschutzbundes (NABU), Rica Münchberger, am Dienstag in Schwerin. Ursache seien wie im Vorjahr das Fällen von Laubholz, die Anpflanzung fremder Baumarten und die Aufrechterhaltung zu hoher Wildbestände, unter anderem durch das Füttern mit Küchenabfällen. Damals hatte das Land das Siegel gegen Auflagen sehr schnell zurückerhalten.

Einmalig zweimalig

Der zweimalige Entzug des Siegels ist laut NABU in der Geschichte der Organisation FSC International bisher einmalig. Das Geschehen sei für das Land, das gerne mit seinem Naturreichtum werbe, ein Imageverlust, der gar nicht zu beziffern sei. "Wir stehen da wie die Deppen", sagte Münchberger wörtlich. Aufgrund der Gruppenzertifizierung könnten jetzt auch andere Erzeuger ihr Holz nicht mehr mit dem Siegel vermarkten, obwohl die Nachfrage nach Holz aus ökologischer Forstwirtschaft auf dem Markt nicht befriedigt werden könne. Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums wollte sich zunächst nicht zu dem Vorfall äußern.

Nur auf Antrag

Das 1994 eingeführte internationale Gütesiegel Forest Stewardship Council (FSC) wird auf Antrag an ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltig wirtschaftende Waldbesitzer vergeben. Mecklenburg- Vorpommern hatte rund 40 000 Hektar Wald in Nationalparken und Biosphärenreservaten zertifizieren lassen. Die Landeregierung wollte so dokumentieren, dass in Schutzgebieten besonders vorbildlich gewirtschaftet wird.

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