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Panne in Müllverbrennungsanlage von Stavenhagen : "Wie beim Vulkanausbruch"

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Nach einem Störfall bei der Müllverbrennung in Stavenhagen sollten Anwohner Obst und Gemüse aus Gärten gründlich waschen. Mit dem Aschestaub seien auch Schwermetalle in die Umwelt gelangt.

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erstellt am 22.Jun.2011 | 10:12 Uhr

Stavenhagen/Bremen | Nach einem Störfall in der Müllverbrennungsanlage in Stavenhagen (Kreis Demmin) ruft der Betreiber Anwohner dazu auf, Obst und Gemüse aus Gärten vor dem Verzehr gründlich zu waschen. Mit Aschestaub seien auch Schwermetalle wie Blei und Cadmium in die Umwelt gelangt, so dass insbesondere bei Blattsalat die Richtwerte überschritten werden könnten, teilte der Bremer Müllentsorger Nehlsen AG gestern in Stavenhagen mit.

Zehn Familien im unmittelbaren Umkreis des Müllheizkraftwerkes wurden aufgefordert, Erdbeeren und Salate vollständig zu entsorgen. "Wir wollen jedes Restrisiko ausschließen, den Schaden bezahlen wir", sagte Michael Drost, Sprecher der Nehlsen AG. Eine akute Gesundheitsgefahr bestehe jedoch nicht.

Nehlsen betreibt in der Kleinstadt ein Heizkraftwerk, in dem vorsortierter Abfall verbrannt wird. Dabei sei es vor einer Woche bei der jährlichen Revisionsreinigung des Heizkessels zu einem Bedienfehler gekommen, teilte das Unternehmen mit. Nach dem Reinigen per Sandstrahl sei eine Staubwolke entwichen, die aus Ascheablagerungen bestand. "Wir haben keinen Hinweis darauf, dass sofort gesundheitshygienische Sondermaßnahmen erforderlich wären", sagte der Landrat des Kreise Demmin, Siegfried Konieczny (Linke) auf Nachfrage. Im Umfeld der Anlage am Stadtrand seien nur vereinzelt Gärten vorhanden. Wer sich nicht sicher sei, ob er sein Gemüse noch essen könne, solle es zur Kontrolle einreichen.

Nach ersten Untersuchungen sei Wurzelgemüse im Boden nicht belastet, teilte das Unternehmen weiter mit. Die labortechnischen Untersuchungen seien aber noch nicht abgeschlossen, Bodenproben noch geplant. Umweltexperten raten, vorsichtshalber den Gartenboden im nahen Umkreis der Müllverbrennungsanlage spatentief umzugraben.

Behörden ließen sich Zeit

Die Havarie ereignete sich am vergangenen Mittwoch gegen 19.30 Uhr. Eine Anwohnerin, die in rund 300 Metern im Garten arbeitete, verglich die Aschewolke mit einem Vulkanausbruch. "Es wurde ganz dunkel. Ich musste die Augen zumachen", sagte sie. Von dem mit Schwermetallen belasteten Staub habe sie auch einiges einatmen und wie andere Anlieger in dem Umkreis auch die ganze Nacht husten müssen. Trotz der großen Beunruhigung der Bürger sahen sich Mitarbeiter des Landesamtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) erst am Freitag in Stavenhagen um. Das Demminer Gesundheitsamt gab erst am Montag Leitlinien heraus, wie die Betroffenen mit ihrem Obst und Gemüse umgehen sollen.

Ob und wie stark die Gartenböden nun mit Schwermetallen oder Toxinen belastet sind, soll erst durch Bodenproben endgültig bestimmt werden. Besonders verbittert sind Anlieger mit riesengroßen Gärten und vielen Obstbäumen. Sie fürchten, dass sie in diesem Jahr alles umbrechen müssen und wissen bis dato auch nicht, ob die Gartenböden für lange Zeit verseucht sind. Einige Anwohner ließen sich schon von der Amtsärztin des Landkreises Demmin, Dr. Marion Piek, untersuchen und hoffen nun, dass die nachfolgenden Blutproben keine auffälligen Befunde haben.

Die Firma Nehlsen ging aber auf die Anwohner zu. So bestellte das Unternehmen am Freitag einen Reinigungsbetrieb, die die Höfe per Kärcher von der Asche befreite und auch verschmutzte Fenster von der teilweise klebrigen Schicht befreite. Am Dienstag suchte der Geschäftsführer des Heizkraftwerkes die Anwohner persönlich auf. Gemeinsam mit einer Versicherung wurden die Schäden in den Gärten begutachtet.

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