Widerstand gegen Teilzeit-Papier

Annett Lindner
Annett Lindner

Rebellion in den Berufsschulen: Die Gewerkschaft lehnt das vom Land geplante Teilzeitmodell für Lehrer ab. Nicht notwendig, kritisiert GEW-Chefin Annett Lindner. Im Gegenteil: An den Berufsschulen können wgen Spezialstenmangel nicht alle Stunden abgesichert werden.

von
12. Oktober 2009, 08:11 Uhr

Schwerin | Annett Lindner zieht ihre Argumente aus der Tasche: Die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage unter Mitgliedern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Durch die Antworten der Lehrer an Beruflichen Schulen sieht sich die GEW-Landeschefin in ihrer Position zum Thema Teilzeit in diesem Bereich gestärkt. Die Gewerkschaft hatte die vom Schweriner Bildungsministerium vorgelegten Anwendungsregelungen zum Lehrerpersonalkonzept nicht unterschrieben.

Vorgesehen ist darin, dass Teilzeitarbeit, wie sie in anderen Schularten seit Jahren gilt, ab Januar auch für Pädagogen an Beruflichen Schulen angewendet wird. Damit will das Land auf sinkende Schülerzahlen reagieren. Die geringere Stundenzahl soll auf die vorhandenen Lehrer aufgeteilt werden, sodass der Beschäftigungsumfang - und damit die Bezahlung - für alle sinkt, aber niemand entlassen werden muss.

Die GEW zweifelt indes an der Notwendigkeit dieser Maßnahme. Ihre Umfrage habe zum Beispiel ergeben, dass an vielen Beruflichen Schulen der vorgeschriebene Unterricht gar nicht abgesichert sei, erklärt Lindner. An einer Schule seien beispielsweise von 444 vorgeschriebenen Unterrichtsstunden nur 423 geplant. Auch andere GEW-Mitglieder berichteten von Ausfall, zum Beispiel in Sport, Deutsch, Englisch oder Religion und Philosophie. "Etliche schreiben, dass bei Krankheit oder Weiterbildung von Kollegen die Stunden ausfallen", zählt die GEW-Chefin auf. Es gebe dagegen keine Hinweise, dass Kollegen wegen Schülermangels nicht eingesetzt werden könnten. "Die Notwendigkeit von Teilzeit wird von unseren Mitgliedern an Beruflichen Schulen verneint", sagt sie.

Als weiteres Argument führt sie ein Gutachten des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der GEW-Landesverbände im Norden an. Bis 2015/16 habe er für Mecklenburg-Vorpommerns Berufliche Schulen einen jährlichen Lehrerüberhang von 35 berechnet. "Wohlgemerkt landesweit und ohne Berücksichtigung von Vorruhestand und Ähnlichem", betont Annett Lindner. Das entsprechende Teilzeit-Papier aus Schwerin nicht zu unterschreiben, sei also kein Fehler gewesen. "Wenn keine Zeitschiene feststeht, wie die Kollegen wieder aus der Teilzeit herauskommen, kaufen wir doch die Katze im Sack", meint die Gewerkschafterin.

Im November wird es Lindner zufolge eine offizielle Statistik geben, wie viele junge Leute tatsächlich im ersten Lehrjahr an die Beruflichen Schulen gekommen sind. Erst dann seien konkrete Berechnungen und die Entscheidung, ob und wo Teilzeit notwendig ist, überhaupt möglich. Sie befürchte jedoch, dass "das Ministerium im Januar bestimmt in den Beruflichen Schulen mit Teilzeit anfangen wird". Wie auch bei den anderen Schularten müssten die Kollegen dann entsprechende Verträge unterschreiben. Sie gehe aber davon aus, dass die Akzeptanz nicht sehr groß sein werde. "Die Fachlehrer sind sehr gefragt und werden sich zurücklehnen. Die Lehrer in allgemein bildenden Fächern haben ja einen Vertrag mit dem Land, könnten also auch in anderen Schularten eingesetzt werden." Die Entscheidung der Kollegen werde zudem von der vorgeschlagenen Zeitschiene zur Rückkehr in die Vollbeschäftigung abhängen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen