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War die Loveparade rechtswidrig?

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erstellt am 11.Jul.2011 | 07:34 Uhr

Duisburg | Vor knapp einem Jahr starben bei der Loveparade in Duisburg 21 junge Menschen. Zu Tode gedrückt im Gedränge am einzigen Ein- und Ausgang. Mehr als 500 wurden verletzt. Unfassbar: Laut Staatsanwaltschaft war schon die Genehmigung der Techno-Party rechtswidrig.

Gab es Druck auf die Genehmigungsbehörden?

Davon ist bisher nichts bekannt. Allerdings hatte im Jahr zuvor die Stadt Bochum "ihre" Loveparade aus Sicherheitsbedenken abgeblasen, nachdem die Techno-Party zuvor in Essen und Dortmund erfolgreich über die Bühne gegangen war. Eine erneute Absage wäre für die ganze Region extrem peinlich gewesen, zumal das Ruhrgebiet 2010 sein Kulturhauptstadtjahr feierte. Bedenken einzelner Beamter seien übergangen worden, heißt es. Ein Beamter lehnte in einem Vermerk die Verantwortung wegen gravierender Bedenken ausdrücklich ab. Auch der Duisburger Polizeipräsident protestierte.

Was untersuchen die Ermittler?

Antworten werden etwa auf folgende Fragen erwartet: War das Gelände mit nur einem gemeinsamen Aus- und Eingang über einen Tunnel von vorneherein völlig ungeeignet? Hätte die Stadt die Umsetzung des Sicherheitskonzepts besser kontrollieren müssen? Hatte der Veranstalter Lopavent zu wenig Ordner an den entscheidenden Stellen im Einsatz? Sperrte die Polizei möglicherweise zu lange an der falschen Stelle ab? Wer ist schuld - die Stadt, die Polizei, der Veranstalter? Das stellt jeder anders dar. Das Innenministerium wirft dem Veranstalter vor, zu wenig Ordner eingesetzt zu haben. Der Veranstalter beschuldigt die Polizei, mit Absperrketten am falschen Ort zur Katastrophe beigetragen zu haben. Die Stadt verweist auf ein von ihr in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten, nach dem die Genehmigung rechtens war. Darauf verwies Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) gestern noch einmal. Erstmals entschuldigte sich der OB : "Es ist mir ein persönliches Bedürfnis, mich an dieser Stelle bei allen Hinterbliebenen und Geschädigten zu entschuldigen."

Warum dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft so lange?

Weil es ungeheuer kompliziert ist, die genauen Umstände des Unglücks nachzuvollziehen. Mehr als 3000 Zeugen wurden schon vernommen. Hinzu kommen Fotos, Handyvideos, Filme von Überwachungskameras und jede Menge Akten.

Was droht den 16 Beschuldigten?

Wenn es tatsächlich zu einem Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung kommt, könnten mehrjährige Haftstrafen herauskommen. Doch bis dahin ist der Weg noch weit.

Und die Opfer?

Sie haben aus einem Notfallfonds des Landes schnell bis zu 20 000 Euro (für Hinterbliebene und länger stationär Behandelte) bekommen. Außerdem haben bereits knapp 300 Menschen Schadenersatzansprüche bei angemeldet. Die Versicherung des Veranstalters Axa hat dafür bereits zehn Millionen Euro zurückgestellt.


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