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Theaterkrise : Von wegen gerettet! Staatstheater vorm Konkurs

vom

Die Theaterkrise im Land spitzt sich zu. Die Landesregierung will sich auf kein „Weiterso“ mit Hilfszahlungen einlassen, sondern macht Druck in Richtung Fusionen. Die Intendanten stehen zwischen den Fronten.

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erstellt am 01.Nov.2011 | 10:18 Uhr

Die Theaterkrise im Land spitzt sich zu. Denn die während der Koalitionsverhandlungen ins Gespräch gebrachte Soforthilfe gibt es nicht zum Nulltarif, machte die Staatskanzlei klar. Ministerpräsident Erwin Sellering hatte sich zwar bei den Feierlichkeiten zum 125. Jahrestag der Einweihung des Theatergebäudes zur besonderen Verantwortung des Landes für das Mecklenburgische Staatstheater bekannt, wenige Tage später aber im Gespräch mit unserer Zeitung betont: "Es bleibt bei den Landeszuschüssen, die mit 35,8 Millionen Euro pro Jahr eine beachtliche Höhe haben. Ab 2013 wird die Zahlung daran geknüpft, dass die Orchester und Theater sich so umstrukturieren, dass sie mit den zur Verfügung stehenden Geldern auskommen. Wer sich dazu ausdrücklich bereit erklärt, kann mit Soforthilfen rechnen, wenn das unumgänglich ist", so Sellering. Das Signal ist eindeutig: Die Landesregierung will sich auf kein "Weiterso" mit Hilfszahlungen einlassen, sondern macht Druck in Richtung Fusionen.

Die Intendanten stehen zwischen den Fronten. Sie können nur mit Entlassungen reagieren. Dagegen laufen die Personalräte Sturm. Im Schweriner Theater werden vakante Stellen, etwa vier im Schauspiel, schon jetzt nicht mehr besetzt, der Posten des Generalmusikdirektors wird gestrichen. Gastsolisten werden ausgeladen. "Die künstlerische Qualität wird nicht zu halten sein", sagt Intendant Joachim Kümmritz.

In Rostock sieht die Situation nicht besser aus. Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) hat vor einer weiteren Ensembleverkleinerung beim Volkstheater und der Norddeutschen Philharmonie gewarnt. "Wer hier weiter kürzen will, begibt sich auf ein künstlerisches Niveau, das dem Ansehen der Hansestadt nicht mehr gerecht wird", so DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens. Eine Orchester-Holding mit Schwerin mache wegen der Entfernung keinen Sinn.

Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow ist besorgt. "Ich habe mich am 27. Oktober mit einem Schreiben an den Kultusminister gewandt, ihm die Liquiditätsplanung des Theaters für 2011/12 zur Kenntnis gebracht und um ein dringendes Gespräch gebeten. Wenn wir keine Hilfe vom Land bekommen, muss ich zum Ende des Monats für das Staatstheater Insolvenz anmelden." Die Zeit drängt. Für den 9. November ist der Aufsichtsrat der Theater gGmbH zu einer Sondersitzung einberufen.

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