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Politiker auf Facebook : Vom Karneval zum Mittags-Teller

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Landes-Spitzen vieler Parteien sind entweder gar nicht in Netzwerken präsent oder nutzen diese kaum politisch

Nah am Wähler möchten Politiker sein, besonders vor Wahlen. Außerdem wollen sie zeigen, wie fortschrittlich sie sich in der digitalen Welt bewegen. Daher tummeln sich viele Politiker auf Facebook. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) jedoch inzwischen nicht mehr. Einfach weg von Facebook. Ähnlich sein Parteifreund und Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Dessen letztes Facebook-Statement ist ein Jahr alt und sollte seine Qualitäten als Fahrradfahrer ins rechte Licht rücken, nachdem er sich mit einem rasenden Rentner öffentlich heftige Diskussionen lieferte. Seitdem ist er offenbar Social Media verstimmt. Hat die SPD in Mecklenburg-Vorpommern Scheu vor den neuen Medien? Nein, auch führende CDU-Politiker meiden das Netzwerk.

Wirtschaftsminister Harry Glawe und Justizministerin Uta-Maria Kuder (beide CDU) haben sich die Facebook-Aktionen der SPD vom Spielfeldrand angesehen und entschieden, gar nicht erst auf Facebook aktiv zu werden. Allerdings werden viele Facebookprofile ohnehin von Mitarbeitern betreut.

Der jüngere Marc Reinhardt (CDU), Innenausschussvorsitzender im Landtag, lässt sich nicht abschrecken und zeigt auf Facebook, welch’ fröhliche Natur er ist. Öffentlich postet er Nachrichten von seiner Kneipentour auf Malle und den Aktivitäten im Neukalener Carneval Club sowie von seiner Freiwilligen Feuerwehr. So sammelte er fröhlich 1389 Freunde ein, Backhaus bleibt auf 585 Gefällt mir-Angaben sitzen.

CDU-Fraktionsvorsitzender Vincent Kokert verkündet deutlich nüchterner vor allem, welche Termine er abarbeitet, was ihm 1790 Freunde einbringt. Was an Erkenntnissen und politischen Positionen daraus resultiert, behält er jedoch für sich. Kommentare lassen Kokert wie Reinhardt von Facebook-Nutzern nicht zu, allenfalls von Freunden.

Jürgen Suhr, Fraktionsvorsitzender der Grünen, Johannes Saalfeld und Silke Gajek (3054 Freunde) nutzen Facebook schließlich doch, um politische Inhalte zu transportieren. Jürgen Suhrs Facebook-Nachrichten (141 „Gefällt-mir“) darf man auch als „Nicht-Freund“ kommentieren.

Von links nähern sich Torsten Koplin (158 Gefällt-mir), Finanzausschussvorsitzender im Landtag, und Jeannine Rösler (252 Freunde), Finanzpolitikerin der Links-Fraktion, den Wählern. Allerdings bekommt der Leser von Rösler auch ihren Mittags-Teller oder eine Schüssel selbst gepulter Erbsen präsentiert.

Übrigens: Der letzte Ministerpräsident, der sein Facebook-Profil abschaltete, war Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Später trat er zurück. Wie Sellering gestern auf unsere Anfrage mitteilte, will er zurück zu Facebook. Ganz nah an den Bürger ran.

 

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