Tagesmütter in MV : Viele sind keine Erzieher

 Betreuung muss sein – aber was ist mit der Qualifikation?
Betreuung muss sein – aber was ist mit der Qualifikation?

5400 Mädchen und Jungen in MV werden von 1400 Tagespflegepersonen betreut - doch nicht einmal die Hälfte dieser hat einen pädagogischen Beruf.

Karin.jpg von
24. März 2015, 07:45 Uhr

Arbeits- und Wegezeiten, die sich nicht mit der Öffnung von Kindertagesstätten in Einklang bringen lassen, sind für Eltern der Hauptgrund, ihre Kinder Tagesmüttern oder -vätern anzuvertrauen. Etwa 5400 Mädchen und Jungen im Land werden nach Angaben des Sozialministeriums von insgesamt 1400 Tagespflegepersonen betreut.

Doch nicht einmal die Hälfte von ihnen hat einen pädagogischen Beruf erlernt, weiß die kinder-, jugend- und familienpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jacqueline Bernhardt. Sie hatte 2013 in einer Kleinen Anfrage die Qualifikation von Beschäftigten in der Kindertagespflege erfragt: Damals hatten von 1462 Tagespflegepersonen 818 keine pädagogischen Abschlüsse. Das aber reiche nicht, um den Bildungsanspruch auch in der Tagespflege vollumfänglich zu gewährleisten, rügt Bernhardt.

Derzeit müssen Tagesmütter und -väter ein 160-stündiges Curriculum des deutschen Jugendinstituts durchlaufen, um sich für ihre Arbeit mit den Kindern zu qualifizieren, so die Linken-Politikerin. Doch das ist in ihren Augen nicht genug: „Die Erzieherausbildung dauert vier Jahre“, stellt sie dem gegenüber. Gerade kleine Kinder sollten von möglichst gut ausgebildeten Fachkräften betreut werden, denn „gerade im Krippenalter werden die Weichen für eine gute Bildung gestellt“, betont Bernhardt. Das sei offenbar auch Auffassung des Sozialministeriums, das bereits für 2014 eine Verordnung angekündigt hatte, die die erforderliche fachliche Qualifikation von Tagespflegepersonen regelt. Auch die Betroffenen selbst wünschten sich endlich Rechtssicherheit , weiß Bernhardt aus Gesprächen mit ihnen.

Doch die entsprechende Verordnung existiert noch immer nicht. In der Antwort auf eine Anfrage Bernhardts erklärte das Sozialministerium, „angesichts anderer dringender Aufgaben im Bereich der Kindertagesförderung“ hätte die Vorbereitung der Verordnung nicht im avisierten Zeitraum realisiert werden können. Gleichlautend antwortete das Ministerium jetzt auch auf die Nachfrage unserer Redaktion.

Bernhardt kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. „Ist damit die Einführung der Vollverpflegung gemeint? Die hätte das Sozialministerium schon 2013 richtig regeln können.“ Ihre Fraktion erwäge nun, mit einem Antrag der Forderung nach Qualitätsstandards in der Tagespflege Nachdruck zu verleihen.

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