Unterricht : Viele Schulen rufen um Hilfe

Nicht nur im Deutschunterricht müssen Flüchtlinge gefördert werden.
Nicht nur im Deutschunterricht müssen Flüchtlinge gefördert werden.

In Brandenburg treffen immer mehr Flüchtlinge ein, darunter Kinder, die kein Deutsch sprechen, traumatisiert sind und noch nie eine Schule besucht haben. Das sorgt mancherorts für Schwierigkeiten im Unterricht.

svz.de von
12. März 2014, 07:55 Uhr

Martina Fröhlich konnte ihr Glück kaum fassen. Einige Monate hatte die Leiterin der Letschiner Grund- und Oberschule in Märkisch-Oderland um zusätzliches Personal für ihr Haus gekämpft. Im Januar war es dann so weit. „Wir konnten extra eine Frau einstellen, die sich um den Deutschunterricht für die Flüchtlingskinder kümmert“, erzählt Martina Fröhlich. „Das hat die Situation sehr entspannt.“ Vorausgegangen waren Gespräche mit der Kommune, dem Kreis und dem Schulamt.

Gleiches Problem, andere Stadt: Die Sigmund-Jähn-Grundschule in Fürstenwalde wartet noch auf Hilfe. „Wir haben zwölf Kinder, die kein Wort Deutsch sprechen. Sie in den normalen Unterricht zu integrieren, ist kaum möglich“, sagt Schulleiterin Karin Trommer. Den anderen drei staatlichen Grundschulen in der Stadt gehe es genauso. „Wir brauchen dringend Unterstützung“, betont Karin Trommer.


Viele Warnungen und manchmal Hilflosigkeit


Der Landeselternrat berichtet über Hilferufe dieser Art von vielen Schulen. „Wir bekommen Rückmeldungen von Eltern und Lehrern, die vor einer Überforderung warnen“, sagt Wolfgang Seelbach, Sprecher des Landeselternrats. So hätten viele Schulen schon alle Hände voll damit zu tun, behinderten Kindern ein besonderes Maß an Betreuung zu bieten. Für die Bedarfe von Flüchtlingskindern würden die Ressourcen oft nicht ausreichen.

Karin Trommer aus Fürstenwalde hebt hervor, dass das Klima unter den einheimischen und den neuen Kindern ausgezeichnet sei. „Sie kümmern sich um einander. Es ist schön, das zu sehen.“ Aber wenn bei einem Flüchtlingskind plötzlich Ängste auftauchen, gebe es an der Schule kaum Möglichkeiten, damit professionell umzugehen.

Martina Fröhlich von der Letschiner Schule erinnert sich, wie es im vergangenen Herbst „von Freitag auf Montag“ hieß, dass eine ganze Gruppe von Flüchtlingskindern ohne Deutschkenntnisse bei ihr eintrifft. „Da war nichts vorbereitet.“ Notwendig sei es, diese Schüler zumindest für einige Monate in einer eigenen Gruppe zu unterrichten, um sie an die deutsche Sprache heranzuführen. Das könnten durchaus altersübergreifende Kurse sein, aber ohne diesen Anschub könnten die Kinder kaum in einer normalen Klasse Fuß fassen. „Beim Hören und Sprechen machen die meisten Kinder schnell Fortschritte. Die größte Herausforderung sind das Schreiben und das Lernen von Fachbegriffen“, sagt die Letschiner Rektorin.

Gerhard Kranz, Leiter des Schulamts Frankfurt (Oder) sichert den Schulen bei ihren Problemen Unterstützung zu. „Aber es muss in jedem Einzelfall genau geprüft werden, ob es gemäß den Verwaltungsvorschriften möglich ist, eine zusätzliche Lehrkraft einzustellen.“ Er gehe jedoch davon aus, dass es an Schulen mit mindestens zwölf Kindern ohne Deutschkenntnisse erforderlich sei, eigene Lerngruppen einzurichten.

Ein Sprecher des Bildungsministeriums in Potsdam räumt ein, dass Hilfen an den Schulen mitunter nicht so schnell wie gewünscht eintreffen. „Wenn im Laufe eines Schuljahres neue Kinder kommen, ist es nicht einfach, Personal zu finden“, sagt Stephan Breiding. Auf die Frage des Umgangs mit psychischen Problemen von Flüchtlingskindern habe man noch gar keine Antwort, gesteht er. Da müsse sich bald etwas tun.

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