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Schwerin : Verwirrung um Kirchensteuer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erhebung der Abgabe auf Kapitalerträge wird vereinfacht – viele Bank- und Sparkassenkunden zeigen sich allerdings irritiert.

Wer in diesen Tagen bei seiner Sparkasse Kontoauszüge holt, hält oft einen ganzen Stapel Papier in der Hand. Denn auf mehreren Seiten informiert das Kreditinstitut über den „Einbehalt von Kirchensteuer“. Viele steigen beim Lesen offenbar gleich nach dem ersten Satz wieder aus, um dann ihrem Unmut Luft zu machen – auch bei uns in der Redaktion. „Kirchensteuer auf abgeltend besteuerte Kapitalerträge (z. B. Zinsen) wird ab dem 01. 01. 2015 automatisch einbehalten und an die steuererhebenden Religionsgemeinschaften abgeführt“, ist dort zu lesen. Mehrere Kunden der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin leiteten daraus ab, nun auch als Atheisten zur Kirchensteuer herangezogen zu werden. Andere wollten wissen, ob sie etwas unternehmen müssten, in der Information sei die Rede von einem Sperrvermerk, den beim Bundeszentralamt für Steuern beantragen müsse, wer nicht damit einverstanden sei, dass die Behörde dem Kreditinstitut Daten über die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft mitteilt.

„Alle Steuerbürger, die der Steuerpflicht unterliegen, sind auch mit ihrem Kapitaleinkünften steuerpflichtig“, erklärt auf unsere Frage hin der Sprecher des Finanzministeriums in Schwerin, Stefan Bruhn, und schiebt den für die verunsicherten Leser wohl wichtigsten Satz gleich hinterher: „Der Kirchenkapitalertragsteuerpflicht unterliegen nur die kirchensteuerpflichtigen Empfänger von Kapitalerträgen.“ Noch einfacher gesagt: Mecklenburger und Vorpommern, die keiner Kirche angehören, können die Bankinformation ignorieren.

Für Kirchenmitglieder ergibt sich aus seiner Sicht kein steuerlicher Vorteil, wenn sie der Weitergabe ihrer Daten zur Kirchenzugehörigkeit widersprechen. Dann erfährt das Kreditinstitut sie zwar nicht, das Finanzamt aber dennoch. Und die Kirchensteuer wird sowieso fällig, wenn Kapitalerträge oberhalb der persönlichen Freibeträge erzielt werden.

Allerdings ist das Kirchensteueraufkommen auf Kapitalertragsteuer in Mecklenburg-Vorpommern ohnehin minimal: 2013 wurden von den Finanzämtern des Landes gerade einmal 370 000 Euro erhoben. Das gesamte Kirchensteueraufkommen im Land belief sich im Vorjahr auf 41,89 Millionen Euro.

Kai Lorenzen, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, erklärt zum Prozedere: „Bisher haben wir Kirchensteuer schon bei den Kunden einbehalten und abgeführt, die uns ihre Mitgliedschaft in einer Kirche selbst angezeigt haben. Künftig bekommen wir diese Information vom Bundeszentralamt für Steuern und führen die Steuer für alle Kirchenmitglieder ab.“ Die Umstellung erfolge nicht nur bei den Sparkassen, alle Kreditinstitute müssten die Änderungen beim Einbehalt der Kirchensteuer umsetzen, und alle Kreditinstitute seien auch gehalten, ihre Kunden darüber zu informieren. Da derzeit vom Gros der Kunden aber überhaupt noch niemand wisse, ob und wenn ja welcher Religionsgemeinschaft sie angehören, müsse man erst einmal alle anschreiben.

Kapitalerträge unterlagen bereits vor Einführung der Abgeltungsteuer der Kirchensteuer, heißt es bei der Nordkirche. „Es handelt sich also weder um eine neue Steuerart noch um eine neue Steuerpflicht, sondern lediglich um einen neuen Erhebungsweg“, betont Nordkirchen-Sprecher Frank Zabel. Das gesamte Verfahren werde nun lediglich vereinfacht und automatisiert, sodass für den Kirchensteuerabzug kein gesonderter Antrag mehr erforderlich sein wird – „dies bewerten wir als eine Verbesserung für die Kirche und ihre Mitglieder“, so Zabel.

Die Erleichterung für die Kirchensteuerzahler geht allerdings mit zusätzlichem Aufwand für die Banken einher. „Allein die erforderlichen Informationen und der sich ergebende Beratungsbedarf belasten die Institute“, erklärt Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Lorenzen. Derzeit würden sich viele Kunden mit Fragen zum Kirchensteuerabzug an die Geschäftsstellen oder das Service-Telefon wenden.

Für Ministeriumssprecher Bruhn ist es aber legitim, dass Aufgaben zur Sicherstellung einer sachgerechten Besteuerung Dritten auferlegt werden. Das sei in vielen Bereichen so, insbesondere gelte es für das Umsatzsteuer- oder auch für das Lohnsteuerverfahren.

 

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erstellt am 14.Jan.2014 | 09:00 Uhr

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