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Urlaubsreisen als Knöllchenfänger

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erstellt am 09.Jun.2011 | 07:07 Uhr

Schwerin | Böse Überraschung: 150 Euro, dafür, schnell im Auto das Hotel in Pisa bestätigt zu haben. Zu dumm, dass die italienischen Gesetzeshüter just in dem Moment um die Ecke bogen. Der Bußgeldbescheid aus Italien liegt nun im heimischen Briefkasten. Seit Oktober 2010 können nicht bezahlte Bußgelder aus den anderen 26 EU-Ländern auch in Deutschland vollstreckt werden. Das Flensburger Punktekonto wird jedoch mit den Sünden im Ausland nicht belastet.

Maxi Harting, Pressesprecherin des ADAC, rechnet mit der ersten Welle der Bußgelder aus dem Ausland mit der nun anstehenden großen Sommerreise. "Das kann dann allerdings noch einmal acht bis neun Wochen dauern, bis die Bescheide eingehen." Dennoch rät der ADAC, die Bußgelder, die im Urlaub fällig werden, sofort zu bezahlen. "Wenn man diese nicht vor Ort zahlt, werden sie vom Deutschen Staat vollstreckt."

Derjenige, der sich nicht von den derzeitigen Benzinpreisen abschrecken lässt und trotzdem mit dem Auto in den Sommerurlaub fährt, sollte also unbedingt ein Auge auf die Verkehrsregeln vor Ort werfen. Denn wer auf ausländischen Straßen unterwegs ist, unterliegt dem dortigen Verkehrsrecht und das schlägt oft richtig zu Buche. Selbst kleine Verkehrssünden werden im Ausland oft schärfer verfolgt als in Deutschland. Besonders zu schnelles und alkoholisiertes Fahren kosten viel Geld. So wird beispielsweise in Italien das Auto beschlagnahmt und versteigert, hat der Fahrer mehr als 1,5 Promille Alkohol im Blut. In Spanien kommt es noch dicker: Ab 1,2 Promille drohen drei bis sechs Monate Gefängnis. Doch Gefängnisstrafen bis zu sechs Monaten verbüßt normalerweise nur, wer bereits vorbestraft ist.

Teurer Griff zum Handy

Auch der Griff zum Telefon im Auto sollte gut überlegt sein: Wer in Spanien schnell nach Hause telefonieren möchte, sollte dies im Auto tunlichst vermeiden. Denn das kostet: Mindestens 200 Euro werden hier fällig. In den Niederlanden sind 180 Euro, in Norwegen 165 zu zahlen. Nur wer in Schweden Urlaub macht, kann unbesorgt sein. Hier gibt es kein Verbot gegen das Telefonieren am Steuer. In Griechenland ist das Rauchen im Auto verboten, sollten Kinder unter zwölf Jahren mit an Bord sein. Der Verstoß kostet bis zu 1500 Euro und zwar unabhängig davon, wer raucht.

Die Rangliste der Bußgelder im Straßenverkehr führt jedoch Norwegen an: Wer trinkt und fährt kann im Land der Fjorde mit mindestens 770 Euro Strafe rechnen. Grenzwert sind 0,2 Promille. Temposünder zahlen bei einer Überschreitung von 20 Stundenkilometer n eine Strafe ab 465 Euro, bei einer Überschreitung von mehr als 50 km/h, sind 1500 Euro fällig. Und wer in Norwegen bei Rot über die Ampel fährt, wird mit 670 Euro zur Kasse gebeten.

Wer die Geldbußen im Ausland nicht sofort bezahlt, muss in einigen Ländern mit noch höheren Strafen rechnen: In Griechenland kostet unerlaubtes Überholen nach zehn Tagen schon satte 700 Euro - das ist doppelt so viel wie bei sofortiger Zahlung. In Italien nimmt man es mit dem sofortigen Bezahlen ebenfalls recht genau: Zunächst wird der Mindestbetrag verlangt, wenn dieser aber nicht innerhalb von 60 Tagen bezahlt wird, erhöht sich die Sanktion.

2330 Verkehrssünden

Doch nicht nur im Ausland lohnt es sich, die Kenntnisse über mögliche Verstöße noch einmal aufzufrischen. Denn für insgesamt 2330 Tatbestände können sündige Verkehrsteilnehmer zur Rechenschaft gezogen werden. Davon bewirken 1296 ein Bußgeld in Höhe von wenigstens 40 Euro und mindestens einen Punkt im Verkehrszentralregister des Kraftfahrt-Bundesamtes. Die Klassiker unter den Verkehrsdelikten sind das nicht Beachten der Sicherheitsabstände, Alkohol und Drogen am Steuer, Falschparken und Rotlichtverstöße. Doch gibt es auch einige Sünden, die gern mal ignoriert werden - oder schlicht weniger bekannt sind.

"Das häufigste Delikt ist in der Tat die Geschwindigkeitsübertretung. Bei den Herren folgt die Fahrt unter Alkoholeinfluss, bei den Damen das Verletzen der Vorfahrtsregelungen", sagt Stephan Immen, Sprecher des Kraftfahrt-Bundesamtes. Unter die Top Fünf der Übertretungen falle das Telefonieren im Auto ohne Freisprecheinrichtung: "Allein 2009 wurden hier 418 000 Verstöße begangen. Das ist gar nicht mal so wenig, wenn man bedenkt, dass sie alle aufgedeckt wurden", so Immen.

Wird der Fahrer beim Telefonieren ohne Freisprech einrichtung erwischt, kostet das 40 Euro und einen Punkt in Flensburg. Teurer wird es aber für den, der mit abgefahrenen Reifen unterwegs ist, hier muss mit einem Bußgeld zwischen 50 und 75 Euro Euro gerechnet werden. Die Tour mit einem defekten Schalldämpfer kostet dagegen 20 Euro. Und wer innerhalb einer Ortschaft "unnütz hin- und herfährt" und dabei andere belästigt, muss ebenfalls mit 20 Euro Bußgeld rechnen. Richtig kostspielig wird es für den, der sich an der Ampel reizen lässt und an illegalen Rennen teilnimmt: Mit 400 Euro, vier Punkten und einem Monat Fahrverbot ist er dabei.

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