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erstellt am 21.Jul.2011 | 06:49 Uhr

Pasewalk | In den Landkreisen Ostvorpommern und Uecker-Randow ist der NPD-Wahlkampf für die Landtagswahl am 4. September angelaufen. Hier mobilisieren vor allem der "Jugendbund Pommern" sowie Freie Kräfte aus den Reihen der "Aryan Warriors", der "Völkischen Kampfgemeinschaft Eggesin" oder der "Nationalen Sozialisten". Am vergangenen Samstag trafen sich am Abend führende Anhänger aus dem regionalen Kameradschaftsspektrum, um im "nationalen Wohnprojekt Salchow" bei Anklam gemeinsam den Eröffnungsreden des NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs und des Kreistagsabgeordneten Michael Gielnik zu lauschen.

Wenige Stunden zuvor hatte NPD-Landtagsabgeordneter Tino Müller gemeinsam mit Aktivisten wie dem Bauunternehmer Dirk Bahlmann oder dem Landesvorstandsmitglied Alexander Wendt das alljährliche Kinderfest im Ueckerpark der Haffstadt durchgeführt. Proteste gab es überhaupt keine.

Bei Hau den Lukas und Taubenstechen sowie Ponyreiten und Eierlauf konnten ganze Familien sich kostenlos unter NPD-Sonnenschirmen amüsieren. Ein Familienvater erschien mit Ehefrau und kleiner Tochter. Nur Insider erkannten den Schriftzug auf seinem blauen Shirt: die Unterschrift Adolf Hitlers. Der Eggesiner NPD-Stadtvertreter Mathias Panhey trug ein auffälliges braunes Hemd mit einem Zitat aus dem Fahnenlied der Hitlerjugend.

Zopfträger Panhey ist für den Rechtsextremismus-Experten Günther Hoffmann aus Ostvorpommern "einer der aktivsten Kommunalmandatsträger der NPD im Land".

Ein anderer Teilnehmer des NPD-Kinderfestes prahlte von sich als "Pommernjung": Henry S. aus Eggesin. Der breitschultrige 32-Jährige mit dunkler Sonnenbrille gilt als führend im "Jugendbund Pommern", dem Nachfolger des extrem rechten, völkisch-orientierten "Heimatbund Pommern". Er soll zurzeit die Verteilaktionen der Partei in der Region koordinieren.

Im März 2011 wurde S. von dem NPD-Landtagsabgeordneten Müller in der 8. Kreistagssitzung im Landratsamt Pasewalk als "sachkundiger Einwohner" für den "Ausschuss für Gesundheit und Soziales" vorgeschlagen. S. wurde einstimmig bei fünf Enthaltungen gewählt.

Ein Vorgang, der nachdenklich stimmt. Denn S. hat eine mehrjährige Haftstrafe wegen einer brutalen Tat hinter sich, die für viele nicht in Vergessenheit geraten ist. Als 20-Jähriger sorgte er mit einer Gruppe von jüngeren Rechtsextremen für bundesweites Entsetzen und schaffte zugleich einen Präzedenzfall. Denn obwohl die beiden Vietnamesen überlebten, sah die Bundesanwaltschaft unter Kay Nehm die rechtsextreme Tat als so schwerwiegend an, dass sie die Ermittlungen in diesem Fall übernahm.

Die beiden angegriffenen Viet namesen, die nur ein Bier bei einem Volksfest in Eggesin trinken wollten, waren aus rassistischen Motiven derart schwer verletzt worden, dass ein "Fall von besonderer Bedeutung" vorlag.

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