Schwerin: Nur 2,5 Prozent der Stadtfläche sind Flora-Fauna-Habitat-Gebiet : Unterschlupf für Otter und Adler

Die Fischotter fühlen sich wohl. Ihre Wege führen durch ganz Schwerin.
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Die Fischotter fühlen sich wohl. Ihre Wege führen durch ganz Schwerin.

Mopsfledermaus, kriechender Sellerie und Eremit - diese drei Arten gehören zu den mehr als 1000 Tier- und Pflanzenarten, die nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) zu schützen sind.

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08. Februar 2011, 07:35 Uhr

Schwerin | Mopsfledermaus, kriechender Sellerie und Eremit - diese drei Arten gehören zu den mehr als 1000 Tier- und Pflanzenarten, die nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) zu schützen sind. Sie gilt europaweit für gefährdete Lebensraumtypen sowie für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Zusammen mit der Vogelschutzrichtlinie bildet sie das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000. Durchschnittlich neun Prozent der Landfläche Deutschlands sind derzeit als FFH-Gebiete geschützt. Das ergibt eine Auswertung der aktuellen Meldelisten vom Bundesamt für Naturschutz. In Schwerin sind es allerdings nur 2,5 Prozent. Im Ranking aller deutschen Städte kommt es damit auf Platz 348. Zum Vergleich: Neubrandenburg holt sich Platz 3 mit einem FFH-Anteil von sage und schreibe 42,4 Prozent. Und auch Rostock schneidet vorbildlich ab: Mit 19,5 Prozent landet es auf Platz 27. Wismar hingegen gehört zu den Schlusslichtern. Es teilt sich Platz 409 mit Städten wie Bochum, Hof, Kempten, Suhl oder Stralsund. Ihnen allen gemeinsam ist: Dort gibt es gar keine offiziell geschützten Flora-Fauna-Habitate.

In Schwerin sind als FFH-Gebiete das Wickendorfer Moor, der Neumühler See und der Reppin ausgewiesen. Sie bedecken rund drei Quadratkilometer. "Zielarten unserer FFH-Schutzgebiete sind der Fischotter im Wickendorfer Moor und am Neumühler See, die Bauchige Windelschnecke in Neumühle und der Eremit am Reppin", sagt Hauke Behr vom Schweriner Umweltamt. "Für diese Gebiete werden gerade Management-Pläne erarbeitet, die vom Land aber noch offiziell bestätigt werden müssen und dann veröffentlicht werden."

Auch ein Pflege- und Entwicklungsplan für das EU-Vogelschutzgebiet "Schweriner Seen" soll in diesem Jahr noch in Auftrag gegeben werden. Vogelschutzgebiete gehören ebenfalls zum Natura 2000-Projekt. Haubentaucher, Eisvogel, Seeadler, Kolbenente, Wachtelkönig, Sperbergrasmücke, Schwarzgans und Saatgans gehören dort zu den besonders schützenswerten Arten.

Für FFH-Gebiete gibt es keine separaten Rechtsverordnungen. "Grundsätzlich müssen alle in oder am unmittelbaren Rand dieser Natura 2000-Gebiete geplanten Projekte einer Verträglichkeitsprüfung unterzogen werden", so Behr. "Dort wird dann festgestellt, ob die zu schützenden Arten durch das Vorhaben in ihrem Bestand gefährdet werden oder nicht." In größeren Abständen werde der Erhaltungszustand der Arten vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt überprüft. Erste Ergebnisse fielen sehr unterschiedlich aus, so Behr. "Nun müssen aus den Management-Plänen die konkreten Schutzmaßnahmen für einzelne Arten abgeleitet werden."

Die Fischotter bzw. ihre Wege durch ganz Schwerin wurden vor einigen Jahren detailliert ausgewertet und sind auch im Internet unter www.schwerin.de zu sehen. Neuere Kartierungen gibt es nach Auskunft von Hauke Behr allerdings nicht. Aber: Am Neumühler See wurden jetzt erste Biberspuren entdeckt. Auf die weitere Suche wolle man sich begeben, wenn das Wetter besser und die Nage- und Bautätigkeit deutlicher zu entdecken seien.

Im Vergleich der Bundesländer zeigen sich große Unterschiede. Während Schleswig-Holstein knapp 14 Prozent seiner Landesfläche als FFH-Gebiete ausgewiesen hat, sind es in Nordrhein-Westfalen nur fünf und im Saarland lediglich zwei Prozent. MV hält den dritten Platz mit 12,3 Prozent. Mit 978 Flächen hat Bayern die meisten FFH-Gebiete gemeldet. Dass auch Städte reich an schützenswerten Lebensräumen und Arten sind, beweist Speyer in Rheinland-Pfalz. Die Stadt liegt auf Platz zwei des Rankings. Der Speyerer Wald ist als FFH-Gebiet geschützt und bedeckt zwei Drittel der Stadtfläche.


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