Lage in Horst eskaliert : Unhaltbare Zustände im Erstaufnahmelager

<p>Die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Horst bietet Platz für 600 Menschen, ist aber seit Monaten überfüllt. Hier noch vor dem Flüchtlingsansturm.</p>

Die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Horst bietet Platz für 600 Menschen, ist aber seit Monaten überfüllt. Hier noch vor dem Flüchtlingsansturm.

Landrat Christiansen beklagt unhaltbare Zustände im zentralen Aufnahmelager

svz.de von
09. September 2015, 21:30 Uhr

Die Zustände in der Zentralen Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Horst bei Boizenburg sind nach Ansicht von Landrat Rolf Christiansen (SPD) unhaltbar. „Dort herrschen Zustände, die unseres Landes unwürdig sind, und das schon seit Wochen“, sagte er unserer Zeitung. „Hunderte Menschen müssen nachts im Freien campieren, die Versorgung funktioniert nicht, keiner sieht durch, das Lager ist überfüllt. Ich kann da nicht mehr zusehen.“

Die Schuld liegt aus seiner Sicht beim Land, konkret beim Innenminister und seinen Mitarbeitern. „Sie reden sich jetzt zwar heraus, dass der Anstieg der Flüchtlinge so nicht vorhersehbar war. Doch das stimmt so nicht, die Zustände sind hier schon lange unhaltbar, nur wird hier gedeckelt.“

Christiansens Mitarbeiter sind inzwischen jeden Tag in Horst. Nicht immer zur Freude des Leiters der Einrichtung, der den Landrat auch schon mit Betretungsverbot belegte, es dann aber schnell wieder aufhob.

Die Zustände in Horst übertragen sich laut Christiansen auf den ganzen Landkreis. In vielen Unterkünften seien Flüchtlinge tagelang sich selbst überlassen, wird keine geregelte ärztliche Versorgung organisiert, gibt es keine Dolmetscher und Informationen.

Caffier bestreitet auf Anfrage unserer Zeitung nicht, dass es in Horst zu Rangeleien und zeitweise untragbaren Zuständen komme. „Wenn so etwas vorkommt, muss man mir das sagen, dann wird das abgestellt“, so der Minister. „Dass wir uns in Horst anders aufstellen müssen, ist seit Tagen bekannt“, sagte er. „Horst ist für 600 Flüchtlinge ausgelegt – wenn jetzt die dreifache Zahl vor der Tür steht, müssen wir etwas tun.“ Zugleich mahnte Caffier alle Beteiligten, nichts überzudramatisieren, weil die Situation angespannt genug sei. „Es ist immer leicht zu kritisieren, aber nicht so leicht behoben, als wenn man nur einen Hebel umlegen müsste.“

Wegen der Situation hat die Landesregierung erste Konsequenzen gezogen. Ab sofort wird laut Caffier ein rund um die Uhr besetzter „interministerieller Arbeitsstab Flüchtlinge“ analog zu vorangegangenen Naturkatastrophen die Flüchtlingsaufnahme, -betreuung und –unterbringung koordinieren.

An dem Krisenstab werden Fachleute verschiedenster Ministerien, darüber hinaus aber auch „alle an der Flüchtlingsaufnahme beteiligten Organisationen“ beteiligt, betonte Innenminister Caffier (CDU) im Gespräch mit unserer Zeitung.


Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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