zur Navigation springen

Unfreie Fahrt nach Norden

vom

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2011 | 07:50 Uhr

Frøslev/Rostock/Ged-ser | "Was passiert denn hier?" Der belgische Autofahrer ist sichtlich verwundert. Um ihn herum drängen sich einige dänische Zöllner in neongelben Westen. Vor allem aber erblickt er ein Knäuel aus Kameraleuten und Reportern, die am deutsch-dänischen Grenzübergang Frøslev-Ellund an der A7 bei Flensburg auf Autofahrer warten, die vom Zoll gefilzt werden.

Zehn Jahre nach Inkrafttreten des Schengenabkommens klappen die Dänen nun wieder den Schlagbaum runter - sinnbildlich zumindest, denn was an diesem trüben Sommermorgen passiert, ist wenig spektakulär. Um 10.10 Uhr tauchen die ersten Zöllner auf. Dann wird eine Fahrspur mit Hütchen gesperrt, ein Fahrzeug des Zolls abgestellt.

"Das hier ist das falsche Signal"

Schneller noch als der Zoll war die dänische Europabewegung. Deren Präsident Erik Boel fährt mit einer riesigen Europaflagge auf seinem Auto vor. "Das hier ist das falsche Signal an unsere Freunde und Partner in Europa", schimpft er. "Wir brauchen ein Zeichen des Vertrauens." Frühere Generationen hätten für die europäische Idee gearbeitet, nun müsse man den Dialog fortsetzen.

Den ersten Dialog dieses Kontrolltages führen die Zöllner mit einer Niederländerin. Brot mit Rosinen, Kräcker - der Inhalt ihres Kofferraums ist "sauber". Überrascht von den Kontrollen zeigt sich die Frau nicht: "Ich war vorbereitet", sagt sie lächelnd.

Fährpassagiere befürworten Kontrollen

An Bord der Scandlines-Fähre "Prins Joachim", die um 13 Uhr aus Rostock nach Gedser ablegte, wussten die Passagiere ebenfalls, was sie möglicherweise erwartete. Heinz und Rosemarie Erzfinke, die mit Enkelin Elodie für einen Tag nach Dänemark reisten, erklärten: " Generell sind wir gegen Passkontrollen, aber wenn Dänemark das aus Sicherheitsgründen befürwortet, dann sollten wir das so akzeptieren."

Auch Sven Hausmann, Sven Schirrmann und Matthias Jose aus Halle, die mit Scandlines in den Skater-Urlaub nach Dänemark fuhren, machten keinen Hehl daraus, dass sie Grenzkontrollen durchaus befürworten: "Wir haben nichts gegen Kontrollen. Im gewissen Sinne sollten aus Sicherheitsgründen auch in Deutschland Stichproben stattfinden. Dänemark soll machen, was es für richtig hält."

Auf der A 7 winkt Leila Jessen derweil weiter die Autos durch. Seit 26 Jahren führt die blonde Frau Zollkontrollen durch, dabei verlässt sie sich auf "Erfahrung und Intuition", wenn sie entscheidet, wer rausgewunken wird. Insgesamt sind an diesem Dienstag zehn Zöllner nach Frøslev abkommandiert worden, erzählt Erling Andersen, Generaldirektor des dänischen Zolls. "Stichprobenartige Kontrollen" werde man durchführen, aber vielleicht sei auch in einer Stunde erstmal Schluss, vielleicht fange man in der Nacht wieder an. Der gefürchtete Stau jedenfalls ist ausgeblieben, allenfalls etwas zäher fließt der Verkehr.

Keine besonderen Vorkommnisse

Luna bekam an diesem Tag nur wenig zu tun. Die Cockerspaniel-Dame mit schwarzem Fell kuschelt sich in die Arme von Zöllner Poul Petersen. Er ist schon fast 30 Jahre beim Zoll und wundert sich etwas über die Aufregung. Schließlich habe man das doch immer schon so gemacht, man habe nichts Neues erfunden.

Inzwischen werden weiter Belgier, Polen, Litauer und Deutsche angehalten. Verdächtiges entdecken die Zöllner nicht.

Auch im Hafen von Gedser gibt es keine besonderen Vorkommnisse. Dagmar Grätz aus Thüringen äußerte vor dem Anlegen zwar noch: " Ich habe nichts zu verbergen, fürchte lediglich die langen Wartezeiten." Diese blieben den Urlaubern aber gestern Nachmittag erspart. Alle Passagiere der Fähre "Prins Joachim", die zu Fuß unterwegs waren, passierten die Grenze ohne kontrolliert zu werden. Sven Hausmann, der sich später noch eimal per SMS bei unserer Reporterin meldete, konnte berichten: "Unser Shuttle-Bus wurde am Ende des Hafengeländes von Zollbeamten durchgewunken. Allerdings wurde auf der anderen Seite ein Mercedes kontrolliert."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen