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Dialog Mvgida-Bewegung : „Und was folgt daraus?“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zweiter Dialog zwischen Anhängern und Gegnern der islamfeindlichen Mvgida in Schwerin in hitziger Atmosphäre

von
erstellt am 17.Feb.2015 | 20:59 Uhr

Es war eine teilweise hitzig geführte Diskussion. Trotz Kritik im Vorfeld trafen sich gestern zum zweiten Mal Gegner und Anhänger der Mvgida-Bewegung (Mecklenburg-Vorpommern gegen die Islamisierung des Abendlandes) zur Gesprächsrunde „Offenes Forum“ in Schwerin. Organisiert wurde das umstrittene Gespräch von Einzelmitgliedern des „Aktionsbündnis für ein friedliches und weltoffenes Schwerin“ und des Vereins „Die Platte lebt e.V.“.

„Wir müssen miteinander reden“, sagte Thomas Ruppenthal gleich zu Beginn. Der Sozialpädagoge und Diakon moderierte wie vor zwei Wochen die Veranstaltung. Politisch Andersdenkende dürfe man nicht ausgrenzen. Da waren sich noch alle einig.

Ziel des Gesprächs sei es, Schnittpunkte zwischen Befürwortern und Gegnern von Mvgida zu finden. Diese gemeinsamen Punkte könne man Politikern als Forderung übergeben, so Ruppenthal.

Wie zum ersten Forum waren wieder etwa 40 Gäste gekommen. Zu den Organisatoren gehört auch der Bürgerrechtler Heiko Lietz, der aber selbst aus gesundheitlichen Gründen bisher nicht an den Diskussionen teilnehmen konnte.

„Wir wollen keinem eine Bühne bieten, der menschenverachtendes Gedankengut äußert“, sagte Mitorganisatorin Hanne Luhdo. Mit Rechtsextremen wie Udo Pastörs, NPD-Fraktionsvorsitzender im Schweriner Landtag, werde man sich nicht an einen Tisch setzen.

Anders sehe die Sache aus bei einem Teilnehmer am ersten Forum, der im August 1992 an den ausländerfeindlichen Krawallen auf das „Sonnenblumenhaus“ in Rostock-Lichtenhagen teilgenommen hatte und zehn Jahre später deshalb zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Das sei lange her. „Die Vergangenheit von Personen steht hier nicht zur Debatte“, sagte Frau Luhdo. Der Mann sei nicht mehr rechtsextrem, sondern heute Mitglied der AfD und werde nicht aus dem Gesprächskreis ausgeschlossen. Er fehlte dennoch, weil er krank war.

Der erste Redner nannte sich Christian und war Mvgida-Anhänger. Die Leute in Deutschland hätten Angst vor der Islamisierung. „Das geht schleichend“, sagte er. Man wolle in Schwerin keine „Verhältnisse wie in Berlin-Neukölln“. Ein anderer fügte hinzu, dass der Islam bereits stark ins Leben der Deutschen eingreife und nannte als Beispiel den Braunschweiger Karnevalsumzug, der wegen der Warnung vor einem islamistischen Anschlag abgesagt werden musste. Ein Nächster beschwerte sich, dass Muslime in Deutschland Blutrache betreiben und Ehrenmorde begehen könnten, ohne dass sie mit der gleichen Härte wie Deutsche bestraft würden. Außerdem würden Moslems die Scharia, das religiöse Gesetz des Islam, über das Grundgesetz stellen.

Der Rechtsanwalt Christian Schneider schüttelte den Kopf: „Und was folgt daraus, was fordert Mvgida deshalb?“

„Schutzhaft für alle islamistischen Rückkehrer aus Syrien“, schlug ein Mvgida-Vertreter vor, der in der Vergangenheit für Schlagzeilen sorgte, weil er 2007 als damaliges CDU-Mitglied an NPD-Demonstrationen teilnahm. Er sagte tatsächlich „Schutzhaft“. Der Schweriner Imam Mohamed Dip Khanji entgegnete, diese Argumente seien pauschal. Islam und Islamismus seien zwei verschiedene Dinge.

Es gehe nicht allein um den Islam, sagte eine Frau. Sie verstehe nicht, warum wir Deutschen uns immer noch für die Naziverbrechen im Dritten Reich entschuldigen sollen. Das alles sei doch drei Generationen her. Eine ältere Frau verließ mit rotem Kopf den Raum: „Ich halte das hier nicht mehr aus.“

Vor dem gestrigen Treffen hatten mehrere Parteien wie SPD, Grüne und Linke sowie mehrere Bündnisse gewarnt. In einem Papier, das unter anderen der Landesverband der Grünen, das „Aktionsbündnis Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!“ und der Flüchtlingsrat unterzeichnet hatten, heißt es: „Wir distanzieren uns von der Veranstaltung und jedem Dialog-Angebot an MVgida, der eine Vielzahl direkter Verbindungen zu NPD und Neonazi-Kameradschaften nachgewiesen wurde.“ Es sei naiv zu glauben, dass die Gespräche nicht für Propaganda missbraucht würden, sagte Bündnissprecher Benno Plassmann.

Der nordostdeutsche Ableger der Dresdner Pegida-Bewegung hatte am 26. Januar bei einem „Montagsspaziergang“ in Schwerin noch 500 Anhänger auf die Straße gebracht. An diesem Montag in Stralsund waren es noch 200 selbsternannte Patrioten.

 

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