Schullandschaft in MV : Umbau bei Berufsschulen

Die Berufsschullandschaft in MV befindet sich im Umbruch: In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Anzahl der Schüler an den staatlichen beruflichen Schulen mehr als halbiert.
Die Berufsschullandschaft in MV befindet sich im Umbruch: In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Anzahl der Schüler an den staatlichen beruflichen Schulen mehr als halbiert.

Der Rückgang der Auszubildenden-Zahlen in MV fordert seinen Tribut: Klassen werden zusammengelegt, Zahl der Standorte hat sich halbiert.

Karin.jpg von
16. Juni 2015, 08:00 Uhr

Jahrelang sind Raumausstatter, Polsterer und Bodenleger an der Berufsschule in Parchim ausgebildet worden. Doch das ist bald Geschichte, erklärte Hasko Schubert, Referatsleiter im Bildungsministerium, gestern in Schwerin. Zuletzt habe es zum Beispiel bei Bodenlegern gerade noch drei Auszubildende im ersten Lehrjahr gegeben, davon stammte ein einziger aus Mecklenburg-Vorpommern – zu wenig, um den Ausbildungsgang weiter aufrechtzuerhalten. Sobald feststehe, wie viele Auszubildende es im kommenden Lehrjahr in MV in diesen drei Berufen gebe, werde man sich deshalb nach geeigneten Schulen außerhalb des Landes umsehen.

Die Berufsschullandschaft in MV befindet sich bereits seit längerem im Umbruch. Denn innerhalb der letzten 15 Jahre hat sich die Anzahl der Schülerinnen und Schüler an den staatlichen beruflichen Schulen mehr als halbiert – von rund 70 000 im Schuljahr 1999/2000 auf gegenwärtig exakt 29 004, so Dr. Ilona Pollack, Referatsgruppenleiterin Berufliche Schulen im Bildungsministerium. Parallel dazu halbierte sich seit 2006 die Zahl der beruflichen Schulen von damals 46 auf 23 zu Beginn des kommenden Schuljahres. Viele Probleme im Berufsschulbereich – zum Beispiel Ausfallstunden – seien diesen Gegebenheiten geschuldet: Fachbezogene Vertretungsstunden zu erteilen sei umso schwieriger, je weniger Fachklassen es an einzelnen Berufsschulen gebe.

Auch aus diesem Grund werden ab Herbst in einigen Fällen berufliche Bildungsgänge zusammengelegt, erläuterte Ilona Pollack. Das sei dann der Fall, wenn an einzelnen Standorten über zwei Jahre hinweg keine Mindestschülerzahlen mehr erreicht worden sind. Vor allem Berufe der Bau- , Metall-, Holz-, Informations- und Elektrotechnik, aber auch der Ernährung und Hauswirtschaft, Farbtechnik und Raumgestaltung sowie Frisöre seien betroffen. So wird der Berufsschulunterricht für künftige Metallbauer von Rostock nach Güstrow verlegt, um dort eine reine Fachklasse bilden zu können. In Waren wird zukünftig der Berufsschulunterricht für Holztechniker aus Stadt und Landkreis Rostock sowie der Mecklenburgischen Seenplatte erteilt. Für eine Reihe von Bautechnikberufen – beispielsweise Fliesenleger, Trockenbaumonteure, Hochbaufacharbeiter oder Beton- und Stahlbauer – soll Theorie künftig nicht mehr in Schwerin, sondern in Rostock unterrichtet werden. Im Gegenzug sollen Tief-, Straßen- und Brunnenbauer aus dem Raum Rostock künftig in Schwerin zur Berufsschule gehen. Die Berufliche Schule Technik der Landeshauptstadt soll auch für Vermessungstechniker und Dachdecker Ausbildungsschwerpunkt werden. Noch, so schränkt Pollack ein, sei aber nicht mit allen Schulträgern ein abschließendes Einvernehmen gefunden worden.

Insgesamt seien nur wenig mehr als ein Prozent aller Berufsschüler von Klassenzusammenlegungen betroffen, betont Schubert. Und: Sie gilt nur für die 1. Ausbildungsjahre. Wer bereits länger in der Lehre ist, kann sie fast immer auch dort abschließen, wo er sie begonnen hat.

Deutschlandweit gibt es 360 anerkannte Ausbildungsberufe. Etwas mehr als 140 werden dem Bildungsministerium zufolge an Berufsschulen hier im Land ausgebildet. Für die Hälfte dieser Berufe gibt es Landesfachklassen, das heißt alle Auszubildenden aus dem ganzen Land werden an nur einem Standort beschult. Für andere, seltene Berufe wird theoretischer Unterricht außerhalb des Landes erteilt. „Wenn allerdings die Schülerzahlen wieder steigen, öffnen wir auch wieder Ausbildungsgänge hier im Land“, so Pollack. Aktuell sei das bei Drogisten der Fall, ab September gebe es erstmals seit langem wieder eine Fachklasse in Rostock.

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