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Empörung: Backhaus gibt halbe Million für einen Museumsbau : Üppige Hilfe für alte Mehlsäcke

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Im vergangenen Jahr habe das Haus 1000 Besucher gezählt - viele Kunden der Mühlenchemie-Gruppe. Angesichts der mageren Gästezahlen verwundert die üppige Finanzhilfe.

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erstellt am 05.Jul.2011 | 08:09 Uhr

Wittenburg/Schwerin | Zweifelhafter Fördersegen für einen Museumsbau mit gerade 1000 Besuchern im Jahr: Knapp eine halbe Million Euro steuert Agrarminister Till Backhaus (SPD) für die Sanierung des Gebäudes des 2008 eröffneten Mehlsackmuseums in Wittenburg bei. Ein entsprechender Fördermittelbescheid ist gestern von seinen Parteifreunden, dem Ludwigsluster Landrat Rolf Christiansen und der Parlamentarischen Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung, Margret Seemann (beide SPD), in Wittenburg übergeben worden. Mit den Steuer-Euros aus dem EU-Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums soll der weitere, rund 700 000 Euro teuere Ausbau des der Stadt gehörenden Hauses unterstützt werden. Damit können das alte Haus wieder in den Originalzustand gebracht und die bestehende Mehlsackschau um eine Ausstellung Kornwelten erweitert werden, erklärte Volkmar Wywiol, Museumsgründer und Chef der Mühlenchemie GmbH, gestern. Im vergangenen Jahr habe das Haus 1000 Besucher gezählt - viele Kunden der Mühlenchemie-Gruppe.

Angesichts der mageren Gästezahlen verwundert die üppige Finanzhilfe. Selbst Wywiol muss gestehen: "Eine Menge Geld." Aber: In zwei bis drei Jahren erwarte man 5000 bis 10 000 Gäste im Jahr. Zudem solle das Haus dann regelmäßig halbtags geöffnet werden. Bisher sei das Museum allein privat finanziert worden.

Die Zwei-Drittel-Förderung sorgt bei Deutschlands Abgabenwächtern für Empörung: Das Land habe mit dem benachbarten Zukunftspark Nieklitz schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, kritisierte der Chef des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, die Entscheidung. Es sei zwar löblich, dass in ein solches Projekt privates Kapital fließe. Aber es sei nicht Aufgabe des Steuerzahlers dafür so viel Geld bereitzustellen, während gleichzeitig über die Zukunft von Theaterstandorten diskutiert werde. 470 000 Euro Förderung für ein Haus mit 1000 Besuchern im Jahr, das einmal im Monat geöffnet hat: "Da ist die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben", erklärte Holznagel. "Das ist der falsche Einsatz von Steuergeldern." Das Land müsse die Notbremse ziehen.

Die Opposition verdächtigt die SPD-Genossen der Wahlkampfhilfe mit EU-Geldern: Backhaus, Seemann und Christiansen wollen im Landkreis Ludwigslust als Landtagsabgeordnete bzw. Landrat wiedergewählt werden. "Es wundert nicht, dass Till Backhaus im Wahlkampf in seinem Kreis schmerzfrei Wahlgeschenke macht", kritisierte FDP-Fraktionschef Michael Roolf die Entscheidung. "Die Förderpraxis im Land ist sehr erstaunlich, wenn man vergleicht, dass zum Beispiel eine Kunsthalle mit 12 000 Besuchern im Jahr nur einige hundert Euro Kulturförderung bekommt." Kritik auch bei den Linken: "Es ist zwar ehrenwert, wenn sich ein privater Investor um das kulturelle Erbe der Mühlensäcke bemüht", meinte der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin. Die Höhe der Förderung erscheine aber nicht angemessen. Es gebe "ein krasses Missverhältnis zwischen Aufwand und Effekt für die allgemeine Öffentlichkeit". Koplin: "Viele kleinere und Kleinstprojekte benötigen oftmals einen kleinen Bruchteil der in Rede stehenden Summe. Sie sollten dem Minister genauso am Herzen liegen."

Backhaus sieht allerdings keinen Grund zur Kritik. Die Förderung entspreche den Richtlinien, erklärte seine Sprecherin Marion Zinke gestern. Damit könne das Gebäude erhalten und nutzbar gemacht werden.

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