Spendenaktion : Trommler verschaffen Tafel Gehör

Proben für den nächsten Auftritt: die Sternberger „Table Drummer“.
Proben für den nächsten Auftritt: die Sternberger „Table Drummer“.

Vor 20 Jahren wurde die erste Tafel in Deutschland gegründet. Inzwischen kümmern sich 900 Vereine nicht nur um die Verteilung von Lebensmitteln. Beispiel Sternberg: Die Tafel setzt sich besonders für Kinder ein.

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06. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Emely gibt auf der kleinen Fasstrommel den Takt vor. Sie wählt den hämmernden Rhythmus des bekannten Songs „We will rock you“ von Queen. Nach und nach lassen auch die anderen Mädchen im Probenraum des Sternberger Schulzentrums die Stöcke auf ihre Trommeln und die Hände auf die afrikanischen Djemben und die kistenförmige Cajón sausen. Einige konzentrieren sich nur auf die Bewegungen ihrer Hände, andere gehen mit dem ganzen Körper mit. Dazu singen alle lauthals – allerdings nicht den Refrain der Rockhymne, sondern eine selbst verfasste Liedzeile: „Wie wo was weiß Robert?“!˚

Robert Klammer muss schmunzeln. Der Musiker aus dem benachbarten Brüel weiß eine ganze Menge. Zum Beispiel, dass viele Kinder ein musikalisches Talent haben, aber nicht in einem Elternhaus groß werden, das sich einen Privatlehrer leisten kann. Als der 35-Jährige im Sommer gefragt wurde, ob er die Trommelgruppe der Fünft- und Sechstklässler ehrenamtlich übernehmen möchte, hat er deshalb keine Sekunde gezögert. „Ich finde es wichtig, sich sozial zu engagieren“, sagt der Musikproduzent und Komponist. „Überall wird abgebaut, die Schere geht immer weiter auseinander.“

Das ist den ehrenamtlichen Helfern der Sternberger Tafel nur allzu bewusst. Sie haben die „Table Drummer“ vor vier Jahren aus der Taufe gehoben. Elke Kasten, Schulsozialarbeiterin und Mitglied im Tafel-Vorstand, hatte gute Erfahrungen mit Trommel-Workshops in Kinderfreizeiten gemacht. „So etwas bringt die Teilnehmer zusammen und stärkt ihr Selbstbewusstsein.“


Musikalischer Erfolg baut Kinder wieder auf


Viele Kinder von Eltern, die die Tafel aufsuchen, hätten auch mit Schulschwierigkeiten zu kämpfen, so Elke Kasten. „Dadurch werden sie immer kleiner. Die Erfolgserlebnisse beim Trommeln lassen sie dagegen wieder größer werden.“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Claudia Körner, Musiklehrerin Uta Spindler und dem Tafel-Vorsitzenden Bruno Pischel konnte die Schulsozialarbeiterin die Initiative in die Tat umsetzen. Unterstützung kam dabei von einem großen Lebensmittel-Discounter. Bei dessen Pfandspendenaktion hatte sich die Sternberger Tafel beworben. Mit Erfolg: „Wir mussten nur 25 Prozent Eigenmittel aufbringen“ , erzählt Bruno Pischel.

Rund 3000 Euro kostete das Projekt. Eine afrikanische Bechertrommel, die Djembé, schlägt schon allein mit 70 Euro zu Buche. Nicht viele der zwölf Mädchen, die aktuell in der Trommelgruppe mitspielen, hätten ohne finanzielle Hilfe Zugang zu so einem Instrument gefunden.

Mitmachen kann allerdings jeder – unabhängig von der Finanzkraft der Eltern oder der Schulform. Angenehmer Nebeneffekt: Das schweißt die Schüler auch in der Phase des längeren gemeinsamen Lernens in der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium „David Franck“ zusammen.

In der Trommelgruppe können sie abschalten, den Kopf frei bekommen, ihre Sorgen loslassen. „Trommeln macht Spaß“, sagt die zehnjährige Nhung in einer Spielpause. Das bestätigt auch die gleichaltrige Jaimie. Wenn sie dem Rhythmus mit der Djembé nachspürt, sprüht sie vor Spielfreude. Das Trommeln hat sie in einem Ferienlager für sich entdeckt.


Ausflüge, Theater und Paddeltour


Kinder- und Jugendfreizeiten gehören ebenfalls zum Angebot der Tafel. Immer in der ersten Woche der Sommerferien organisiert der gemeinnützige Verein eine Urlaubswoche für Mädchen und Jungen aus der Region, wie Bruno Pischel erzählt. Von den insgesamt 350 Personen, die von der Tafel wöchentlich versorgt werden, sind ein Drittel Kinder. Paddeltour auf der Warnow, Besuch im Schweriner Landtag, Theaterfahrt nach Parchim, Erholungstag im Wismarer Wonnemar – unermüdlich rührt die Sternberger Tafel die Spendentrommel, damit möglichst viele Kinder am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Die „Table Drummer“ helfen dabei, dem Anliegen der Ehrenamtler Gehör zu verschaffen. Beim Tag der offenen Tür der Tafel im Oktober hatten sie den ersten Auftritt in ihrer neuen Formation. Ein bisschen aufgeregt waren sie schon, geben einige Mädchen zu. Es habe aber alles gut geklappt. Letztlich brennen die Kinder darauf, ihr Können zu zeigen, weiß Robert Klammer: „Es macht Spaß zu sehen, wie die Augen nach einem gelungenen Auftritt leuchten.“ Damit das am morgigen Sonnabend wieder der Fall ist, wurde in den vergangenen Tagen noch fleißig geprobt. Denn dann wollen die „Table Drummer“ auf dem Sternberger Nikolausmarkt auftreten.

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