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Schwachstelle bei Abfallentsorgung : Trinkwasser im Land nicht belastet

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Gefährden Arzneimittelreste im Trinkwasser in MV die Gesundheit? Eine am Montag auch von uns veröffentlichte Mitteilung, wonach in 26 Kläranlagen Rückstände von Arzneimitteln gefunden wurden, legt diesen Eindruck nahe.

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erstellt am 12.Jul.2011 | 08:23 Uhr

Schwerin/Rostock | Gefährden Arzneimittelreste im Trinkwasser in MV die Gesundheit? Eine am Montag auch von uns veröffentlichte Mitteilung des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung), wonach in 26 Kläranlagen Rückstände von Arzneimitteln gefunden wurden, legt diesen Eindruck nahe. Denn Wasser aus Kläranlagen läuft auch in Fließgewässer ab.

Experten einer anderen Behörde geben allerdings Entwarnung: Da mit Ausnahme der Stadt Rostock Trinkwasser überall in Mecklenburg-Vorpommern aus Grundwasser gewonnen wird, sei eine Verunreinigung durch Arzneimittelrückstände im Klärwasser auszuschließen, betont die Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock, Anja Neutzling. 2010 habe das Lagus im Rahmen der amtlichen Trinkwasserüberwachung 11 170 mikrobiologische und 2171 chemische Proben untersucht. Dabei könnte die Behörde seit dem letzten Sommer einen hochmodernen Flüssigkeitschromatographen nutzen. Dieses Gerät würde in erster Linie genutzt, um Pflanzenwirkstoffe und deren Abbau- und Umwandlungsprodukte zu messen. Es seien bei der Einarbeitung des Gerätes aber auch Proben aus ländlichen Kleinkläranlagen, oft schlecht geschützte Grundwassereinleiter, genommen worden. "Dabei konnten wir in einigen Anlagen Arzneimittelwirkstoffe nachweisen. Die Konzentrationen lagen um den Grenzwert von 0,1 Mikrogramm je Liter", so Neutzling. Dieser Grenzwert sei ein Vorsorgewert, erst wenn er je nach Wirkstoff um das 20- bis 100-Fache überschritten würde, könnten gesundheitliche Schädigungen nicht ausgeschlossen werden.

Für Unmut sorgt die Lung-Mitteilung, die auf Messdaten aus 2008 basiert, bei der Apothekerkammer des Landes. Vor allem die Empfehlung, Arzneimittelreste nicht über die Toilette zu entsorgen, sondern sie in Apotheken zurückzugeben, will der stellvertretende Kammergeschäftsführer Dr. Bernd Stahlhacke nicht so stehenlassen: "Der Gesetzgeber ordnet Arzneimittelreste aus Privathaushalten als Hausmüll ein. Demnach gehören sie also in die Mülltonne." Würde der Hausmüll nicht verbrannt, sondern auf einer Deponie entsorgt, sei es aus Umweltgründen in der Tat bedenklich, wenn Medikamente enthalten seien. In diesen Fällen sollte eher eine Schadstoffsammelstelle aufgesucht werden. Auch Apotheker könnten eine ordnungsgemäße Entsorgung gewährleisten, aber "dies ist eine freiwillige Dienstleistung, für die Kosten anfallen, die der Apotheker allein zu tragen hat", betont der stellvertretende Kammergeschäftsführer.

Dass die Verunreinigungen im Klärwasser allein auf unsachgemäße Arzneimittel-Entsorgung in Privathaushalten zurückgehen, bezweifelt Stahlhacke. "Röntgenkontrastmittel hat keiner zu Hause, deshalb schüttet auch niemand Reste in die Toilette. Sie werden vielmehr über Stuhl und Urin wieder ausgeschieden." Auch bei anderen gefundenen Arzneiwirkstoffen sei nicht auszuschließen, dass sie - zumindest teilweise - über Ausscheidungen in die Kläranlagen gelangt seien.

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