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Totschlag aus nichtigem Anlass

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Rostock | Die Videobilder zeigen die brutale Tat: Knut H., in ein Gemenge verwickelt, steht an der S-Bahn, als ihm der Angreifer von hinten einen Schlag gegen die linke Halsschlagader versetzt. Er taumelt noch drei Schritte, kippt dann unkontrolliert nach vorne und kracht auf den Steinfußboden. Der 44-Jährige aus dem Landkreis Bad Doberan hinterlässt eine Ehefrau und zwei Kinder im Alter von 16 und 18 Jahren.

Auf den ersten Blick war gestern in Warnemünde alles wieder wie normal: Hunderte Touristen bummelten am Alten Strom entlang, Ordnungskräfte beseitigten den Müll zahlreicher Himmelfahrtsausflügler. Nur 24 Stunden zuvor hatte es am belebten S-Bahnhof an der Warnowmündung die tödliche Schlägerei aus einem absurden Anlass gegeben. „Es ging wohl nur darum, wer den schöneren Ausflugswagen hatte“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt in Rostock, Klaus Müller. Es war nur einer von zahlreichen Vorfällen mit Betrunkenen, die an solchen Tagen die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern und anderen Bundesländern beschäftigen, aber einer mit gravierenden Folgen.

„Die beiden Gruppen, die aneinandergerieten, hätten sich aber auch woanders treffen können, beispielsweise auf einer Festwiese oder an einem Ausflugslokal“, meinte ein Ermittler. Die eine Gruppe, zu der der später getötete Knut H. gehörte, zog am Nachmittag mit einem klassischen Bollerwagen zum Gleis 3, die andere Gruppe kam mit einem einfachen Einkaufswagen, in dem die Getränke verstaut waren. Laut Polizei ließen die Gruppen nach einer ersten Prügelei zunächst wieder voneinander ab. „Dann war es wie ein Nachtreten“, beschreibt der Oberstaatsanwalt die Attacke. Ein 24-Jähriger, der wenige Stunden später zusammen mit zwei weiteren Männern im Alter von 23 und 29 Jahren festgenommen wurde, soll Knut H. von hinten einen Schlag gegen den Kopf versetzt haben, so dass dieser gegen einen S-Bahnwagen prallt. Auf den grauen Steinplatten des Bahnsteigs erinnert am Freitag nichts mehr an den Vorfall.

Die vier bis fünf Angreifer fliehen nach der Tat, die andere Gruppe alarmiert einen Notarzt, der das Opfer erst noch wiederbeleben kann. Am Abend stirbt der Mann trotzdem. Ihre auffällige Kleidung verrät die mutmaßlichen Schläger. In einem nahe gelegenen Geschäft kommen zwei der Männer Streifenpolizisten verdächtig vor, weil einer - wie von Zeugen beschrieben - ein orange-gelbliches T-Shirt und der andere eine ebenso auffällige Hose trägt. Die beiden und ein weiterer Rostocker werden gefasst, nach zwei Komplizen wird noch gefahndet.
Erschüttert über den Vorfall zeigten sich Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU), die Deutsche Bahn AG und die Rostocker Stadtverwaltung. Er sei schockiert, mit welcher Rücksichtslosigkeit die Täter vorgegangen seien, erklärte Caffier.

„Wir bedauern den Vorfall und unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, sagte Kerstin Kanaa von der Rostocker Stadtverwaltung. Der Innenminister ging zudem noch einen Schritt weiter: „Dieser Vorfall zeigt einmal mehr die Bedeutung der Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen.“ Die Videoaufnahmen am Warnemünder S-Bahnhof hatten den Ermittlern wichtige Hinweise auf die Tatverdächtigen geliefert.

Doch Warnemünde war kein Einzelfall für rohe Gewalt unter angetrunkenen Herrentags-Feiernden: In Neubrandenburg schlug ein 19-Jähriger einen Polizisten mit der Faust ins Gesicht, als dieser Beteiligte einer Schlägerei befragte. In Waren an der Müritz warf ein Betrunkener mit einer Bierflasche - und traf einen Streifenwagen, dessen Beamten ebenfalls zu einer Schlägerei gerufen worden waren. Und bei Grimmen trat ein 54 Jahre alter betrunkener Radfahrer einem Polizisten gegen das Schienbein und musste überwältigt werden. Die Polizeiinspektion Rostock hatte vorsorglich 50 Beamte mehr in den Dienst geschickt.


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erstellt am 03.Jun.2011 | 08:13 Uhr

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