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Totenstille auf dem Flugfeld

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Der nach langen Mühen privatisierte Flughafen Parchim kommt aus den seit Jahren anhaltenden Turbulenzen nicht heraus: Die schon für 2008 angekündigten Millioneninvestitionen verzögern sich nun erneut - ein Baustart steht in den Sternen. Auch die immer wieder avisierten Frachtflieger aus Asien sind nicht in Sicht: Seit Ende Oktober ist in Parchim keine Frachtmaschine mehr gelandet.

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2009 | 11:26 Uhr

Parchim | Totenstille auf dem Flugfeld: Fünf Flieger am Tag hatte der chinesische Investor Jonathan Pang noch Anfang Oktober 2008 in Aussicht gestellt - voll bepackt mit Produkten aus Asien. Seitdem aber ist Ruhe im Luftraum über dem ehemaligen Militärflughafen eingekehrt. Vor mehr als einem viertel Jahr hatte die letzte Frachtmaschine zum Sinkflug angesetzt, bestätigten verschiedene Quellen.

Pang bleibt sich treu: Seit der Logistikmanager aus dem Reich der Mitte in Parchim landete, ist eines der bisher größten Infrastrukturprojekte in MV über den Ankündigungsstatus kaum hinausgekommen. Die Zweifel an den Plänen werden größer. Jetzt zieht selbst die Goodman-Gruppe, die in Parchim eine leistungsfähige logistische Infrastruktur aufbauen will, die Reißleine. Offenbar hat der ausbleibende Erfolg dem Goodmann-Deutschland-Chef den Job gekostet - für Geschäftsführer Werner Knan war der 31. Januar 2009 der letzte Arbeitstag. Gründe für seinen Weggang wollte er gestern nicht nennen. Weder bei Goodman noch im Pang-Büro waren Stellungnahmen zu bekommen. Die australischen Industrie-Immobileninvestoren hatten durch einen umstrittenen Grundstücksdeal für 13 Millionen Euro 52 Hektar Gewerbefläche in Parchim übernommen. Im ersten von drei Projektabschnitten waren Investitionen im dreistelligen Millionenbereich geplant. Jetzt hat das Unternehmen die Finanzkrise eingeholt - Goodman scheint sich derzeit an dem Projekt zu verheben.

Der noch bis vor fünf Tagen für Parchim zuständige Ex-Goodman-Manager Knan ließ gestern keine Zweifel aufkommen: Durch die Weltkrise seien Investoren zurückhaltender geworden, sagte er. "Es läuft nicht alles so." Investoren gebe es zwar "genügend", meinte er. Allein das Frachtvolumen sei aber "nicht da". Knan hatte noch Ende November, als die Folgen der weltweiten Finanzkrise immer deutlicher wurden, erklärt: Es bleibe dabei, dass bis 2009 Fabrikgebäude für Unternehmen der Hightech-, Elektronik- und Bekleidungsbranche sowie logistische Dienstleister errichtet würden. Das wird immer unwahrscheinlicher. Das Projekt sei zwar nicht storniert, meinte er gestern: "Alle sind in Warteposition." Sowohl Pang als auch Goodman halten Knan zufolge an Parchim fest. Der Investitionsplan scheint aber völlig aus den Fugen zu geraten. Der bereits fest für August 2008 angekündigte Baustart wird jetzt möglicherweise auch 2009 nicht mehr erfolgen. "Einen Termin gibt es nicht", sagte Knan. "Mit der Investition muss man sich eben gedulden.

Am Ende könnte auch der Landkreis Parchim noch die Rechnung präsentiert bekommen: Nach bisher zwei gescheiterten Investitionsversuchen war der Flughafen Parchim inklusive hunderter Hektar Gewerbefläche 2007 an Pang privatisiert worden. Vom fälligen Kaufpreis von 30 Millionen Euro wurden bislang aber erst 13 Millionen Euro bezahlt. Der Rest wird Ende 2009 fällig - und das trotz Finanzkrise.

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