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Golden Retriever zu Gast im Heim in Mirow : Therapeut auf vier Pfoten

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Hanka ist nicht irgendeine Hündin. Sie ist eine Therapie-Hund. Sie besucht regelmäßig geistig und teilweise auch körperlich Behinderte im Heim des Diakoniewerks Kloster Dobbertin.

svz.de von
erstellt am 07.Nov.2011 | 11:50 Uhr

"Der Hund ist da", ruft Bernd und nimmt eine Hand vom Rollator, um zu winken. Die Therapiebegleithündin Hanka zieht an der Leine. Auch sie freut sich. Weitere Frauen und Männer kommen in den Garten des Behindertenwohnheims in Mirow bei Schwerin. Sie warten auf Edda Kerlin-Bengsch, die einzige freiberufliche Hundetherapeutin in Schwerin und Umgebung. Jede Woche kommt sie mit ihrem Golden Retriever zu den geistig und teilweise auch körperlich Behinderten in dem Heim des Diakoniewerks Kloster Dobbertin. Heimchefin Petra Selke ist froh darüber: "Ich habe lange nach einer Hundetherapie gesucht."

Kerlin-Bengsch packt ihren Korb mit Spielzeug aus. Zuerst den Ball. Sie wirft ihn weit über die Wiese. Hanka springt hinterher, bringt den Ball, schnappt sich ihr Leckerli zur Belohnung. Jetzt sind die Bewohner dran. Der Ball fliegt mal mehr, mal weniger weit. Hanka ist aufmerksam und bringt ihn stets den Werfern zurück. Denen ist die Freude ins Gesicht geschrieben.

Der Hund gebe Menschen mit Handicap das Gefühl, ebenfalls etwas in die Waagschale tun zu können, sagt Ingrid Stephan vom Institut Lernen mit Tieren. Edda Kerlin-Bengsch hat ihre Augen und Ohren überall. Sie kennt jeden Bewohner mit Namen, bezieht alle ein, nimmt sie an die Hand, macht vor, verbessert, lobt. Wer will, darf Hanka streicheln. Das löst verkrampfte Hände, weiß Kerlin-Bengsch. Bevor es wieder ans Werfen geht, müssen Mensch und Tier Geschicklichkeit beweisen. Männer und Frauen fädeln Leckerli auf eine Leine, die sie straffziehen müssen, damit Hanka sie abknabbern kann. "Das erfordert Fingerfertigkeit und Mut, obwohl es so einfach aussieht", erklärt Kerlin-Bengsch. Für Heimleiterin Selke ist das Besondere an der Therapie, dass sie kognitive Übung und Bewegungstraining vereint.

Gemeinsam beobachten sie neue Seiten an den Behinderten: Ein Schüchterner, der dem Spiel bisher vom Haus aus zuschaute, gesellt sich auf die Wiese. Eine Autistin gibt bei der Beschäftigung mit dem Tier erstmals Laute von sich. "Wir wussten nicht, dass sie das kann", sagt Selke. Kerlin-Bengsch und Hanka sind nach der Stunde ausgepowert. Während der Hund schon im Auto döst, ist die Arbeit seiner Herrin noch nicht vorbei. Sie füllt am Rechner Formulare über ihre Beobachtungen mit den Teilnehmern aus. Für jeden soll mit den Jahren eine Dokumentation entstehen. Jeder Erfolg wird festgehalten: dass sich jemand überwindet, Angst abbaut, spricht, lacht.

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