Tanzen streng nach Sparkonzept

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"Eine angespannte, aber faire Gesprächsatmosphäre" - so lautete das Fazit von Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Die Linke) nach dem "Theatergipfel" gestern mit Kultusminister Henry Tesch (CDU).

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08. September 2009, 11:12 Uhr

Rostock/Neubrandenburg | Für Anspannung gab es allen Grund, für ein Gespräch erst recht: Seit der Veröffentlichung des "Eckpunktepapiers" zur Theaterstruktur tobt die Diskussion um dessen Umsetzung. Die Bühnen und Orchester sollen zwar wie bisher 35,8 Millionen Euro im Jahr aus der Landeskasse bekommen - siehe unten Fördergelder je Besucher. Und zwar langfristig bis 2020. Aber kleinere Einsparten-Theater und Bespielbühnen sollen nur noch gefördert werden, wenn sie sich mit Vollsparten-Häusern zusammenschließen. Schließlich soll die Theaterlandschaft bis 2020 in zwei "Kulturkooperationsräumen" mit je einem Intendanten und einem Orchester konzentriert sein.

Zwei Kulturkooperationsräume, zwei Gipfel: Kultusminister Henry Tesch (CDU) hatte die Vertreter der Kommunen und Kreise als Theaterträger aus Mecklenburg demonstrativ erst nach Rostock geladen und dann deren vorpommersche Kollegen nach Neubrandenburg. Zentrales Problem in "Kooperationsraum I": Wenn der Erlass zum Finanzausgleichsgesetz (FAG) als Grundlage der Fördergeldverteilung so beschlossen wird, wie geplant, muss das Staatstheater Schwerin schon 2010 mit rund einer Million Euro weniger rechnen. Denn bisher wurde ein Sockelbetrag von 16 Millionen Euro auf die vier Mehrspartentheater verteilt. Der Verteilungsschlüssel lag bei jeweils 28 Prozent für Rostock und Schwerin und 22 Prozent für Neubrandenburg/Neustrelitz sowie Stralsund/ Greifswald. Nach den neuen Plänen der Landesregierung sollen die vier Theater nun künftig jeweils 25 Prozent erhalten. Schwerins Generalintendant Joachim Kümmritz hatte bereits das Insolvenzgespenst beschworen.

Schwerins Oberbürgermeisterin war mit dem Ziel in das Gipfeltreffen gegangen, zumindest den für das Staatstheater so fatalen neuen Berechnungsschlüssel zur Diskussion zu stellen. Gelungen? Zwar habe der Minister nicht alle Einwendungen berücksichtigt, so Gramkow, "aber er hat unsere Bedenken aufgenommen und uns das Angebot gemacht, das mit einem Stufenplan zu untersetzen". So würde die Änderung für das Staatstheater nicht mitten in die Spielzeit platzen, sondern "planbar werden". Auch für Rostock ist der Stufenplan keine schlechte Nachricht. Das Volkstheater hatte nach dem neuen Verteilungsschlüssel Kürzungen von rund 500 000 Euro fürchten müssen.

Weiterer Knackpunkt: Für das Landestheater Parchim und seine auf Kinder und Jugendliche zugeschnittenen Inszenierungen gibt es nur noch Geld, wenn sich die Einspartenbühne an ein großes Haus anschließt - schon seit Jahren ist eine Kooperation mit Schwerin im Gespräch.

Auch beim Thema Theater Parchim brachte der Gipfel keine großen Überraschungen. "Man wird sich wohl mit Kooperationen einrichten müssen", so Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iredi (SPD): "Wenn Standorte und Inhalte erhalten bleiben, dann ist das auch okay." Zwar werde man kaum bis Jahresende eine Fusion mit einem Vollspartentheater vollziehen können, "eine Kooperation werden wir aber hinbekommen, denke ich". Eine Zusammenarbeit mit Schwerin sei zwar naheliegend, so der Landrat, aber nicht ausgemachte Sache. Andere Lösungen seien denkbar.

Zusammenarbeit, Fusionen - gerade im "Kooperationsraum I" ist noch wenig passiert. Spätestens das Theaterstruktur-Gutachten der unabhängigen Unternehmensberatung Viventure (wir berichteten) wird wieder für Diskussionen sorgen. Die Eckpunkte stehen - dazwischen ist vieles offen.


Fördergelder je Besucher



Schwerin
87,68 Euro
davon Landesmittel: 49,90 Euro

Rostock
166,94 Euro
davon Landesmittel: 84,45 Euro

Neubrandenburg/Neustrelitz
93,66 Euro
davon Landesmittel: 58,96 Euro

Greifswald/Stralsund
106,90 Euro
davon Landesmittel: 56,32 Euro

Anklam
26,08 Euro
davon Landesmittel:14,82 Euro

Parchim
54,81 Euro
davon Landesmittel: 44,48 Euro


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