Surfen auf den Wellen nach Fahrplan

<strong>Für Frauen ist</strong> das Kite-Surfen ideal. Dank des Windes  muss nur wenig Kraft aufgewendet werden.
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Für Frauen ist das Kite-Surfen ideal. Dank des Windes muss nur wenig Kraft aufgewendet werden.

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24. Juli 2012, 09:02 Uhr

Warnemünde | Heiße Temperaturen und wenig Wind: Die kommenden Tage werden perfekt. Am Beachhouse in Warnemünde am Strandaufgang 11 ist bereits alles vorbereitet. Die Liegestühle stehen bereit, die Getränke sind gekühlt, die Bretter aufgereiht. Die Surfschule von Daniel Weiß ist die einzige in MV, bei der die Sportler keinen Wind brauchen, um über das Wasser zu gleiten - im Gegenteil. Denn hier surft man auf den Bugwellen, die von den Fähren aus Ged ser/Dänemark kommend verursacht werden. Und diese sind umso besser, je weniger Wind ist. Alle zwei Stunden rollen sie an - mal richtig hoch, mal weniger. "Je flacher das Wasser umso besser", sagt Weiß in Vorfreude auf die kommenden Tage. "Die werden richtig geil."

Punkt 8.30 Uhr kommt die erste Welle

Am Computer im Innenraum des Beachhouses verfolgt Daniel Weiß gespannt die Route der beiden Scandlinesfähren "Kronprins Frederik" und "Prins Joachim" von Gedser nach Rostock. "Irgendwie ist die für diese Zeit noch ziemlich weit weg", sagt der 29-Jährige, fast etwas enttäuscht. Nur selten kommt es zu Verspätungen, die meisten Touren seien pünktlich. Und damit auch die Bug- und Heckwellen, die achtmal am Tag den Strand von Warnemünde erreichen. Wenn die Fähre zwischen den Bojen kurz vor der Mittelmole ist, machen sich die Surfer bereit.

Diesmal haben sie wieder Glück gehabt, die Fähre läuft pünktlich aus Gedser ein. Mit ihren Longboards und Stand-up-Paddles laufen sie in die Ostsee, dort lauern sie so lange, bis das Wasser sich wallend in Bewegung setzt. Treffpunkt sind fast immer die beiden Sandbänke.

Das ganze Spektakel geht auch an den Touristen und sonstigen Strandbesuchern nicht vorbei. Gespannt stehen sie am Ufer und warten auf eine Surf-Show. "Das ist echt witzig", sagt Weiß. Manchmal stehe eine ganze Traube von Neugierigen da.

Dann geht alles ganz schnell: drei bis vier hohe Wellen kommen, meistens dauern die Bugwellen nicht länger als drei Minuten. "Die Heckwellen sind etwas kleiner, können aber an perfekten Tagen bis zu 30 Minuten dauern", erzählt Weiß. Die erste Welle erreicht 8.30 Uhr die Sandbank, die letzte 22.30 Uhr. Wer Glück hat, erwischt sofort die Wogen und gleitet auf dem Wasser entlang.

Und die mechanische Welle wird immer beliebter. Längst hat sich Warnemünde als Surftipp herumgesprochen. Zwar gebe es hier nicht Wellen wie auf Hawaii, doch die Bedingungen für Wind-, Kite- und Wellensurfen seien ideal. Und das Beste: Dank Fahrplan weiß jeder, wann die beste Zeit ist, um aufs Wasser zu gehen. Viele nehmen lange Anfahrtszeiten in Kauf, nur um wenige Minuten den Kick auf der Ostsee zu erleben. Auch Weiß ist noch nach Jahren aufgeregt, wenn er den Bugwellen entgegenrennt. "Wenn man es versaut, muss man wieder zwei Stunden warten." Die Herausforderung bestehe darin, gleich am Anfang perfekt die Welle zu erwischen. "Die ganzen Gedanken drehen sich nur darum: gut stehen und abfahren." Und auch wenn das Ganze nur zehn Minuten dauert: Zum Runterkommen sei es ideal. "Im Sommer kann die Arbeit bei uns schon ziemlich stressig sein. Da tut es gut, mal kurz etwas Adrenalin durch den Körper zu spülen." Und auch in den vergangenen Tagen, als der Sommer noch weit weg schien und der Strand menschenleer war, waren Weiß und seine Jungs auf der Ostsee, nutzten den Wind, um mit ihren Kites und Windsegeln meterhoch durch die Luft zu fliegen. Dass jetzt endlich der Sommer kommt und der starke Wind ablässt, ist für Weiß eine Erleichterung.

Der in München Geborene gelangte über Potsdam in die Hansestadt Rostock, um hier BWL zu studieren. Von seinem Vater angesteckt, begann Weiß schon früh, auf den Brettern zu stehen. Als Surflehrer war er unter anderem auf Fehmarn und in Ägypten unterwegs. In Rostock-Warnemünde ist er nun seit vier Jahren einer der Geschäftsführer der Surfschule am Strandaufgang 11. Gemeinsam mit seinem Freund Hans Jensen führt er heute die Firma Supreme Surf. Während Weiß hauptsächlich für die Schule und das Beachhouse zuständig ist, leitet Jensen das Geschäft in der Rostocker Innenstadt. Hier gibt es Bretter, Neopren-Anzüge und alles was richtige Surfer nun einmal brauchen. Auch Muschelketten. Kennengelernt haben sich die beiden beim Studium. "Hans und ich haben immer zur gleichen Zeit den Laptop zugemacht und sind surfen gegangen", erinnert sich Weiß. Der Surfshop, der damals noch in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt zu finden war, gehörte bereits Jensen, der sich damit während des Studiums selbstständig machte. "Am Anfang sind wir noch mit einem Bus vom Shop aus zum Strand gefahren und haben Kurse gegeben." Nun stehen feste Container am Strand genau vor dem Hotel Neptun. Hier finde man sie immer, mittlerweile seien sie ein fester Teil des Warnemünder Strandes. Heute besteht das Team aus gut 30 Leuten. "Wir sind aber viel mehr eine große Familie, als einfach nur Kollegen", so Weiß. Die Gemeinschaft steht im Vordergrund. Dennoch: Am Ende müsse es auch hier in der Kasse stimmen. Und obwohl beide Geschäftsführer BWL studiert haben, haben sie sich als erstes einen guten Steuerberater gesucht.

Ein Sport für jedermann

Neben den schönen Momenten gibt es dennoch manchmal Ärger bei den Beachboys. "Leider missachten noch immer ein paar Schwimmer, dass der Wasserbereich für die Surfer gedacht ist", sagt Weiß. Um Schlimmes zu verhindern, arbeiten die Surfer sehr eng mit der Wasserwacht zusammen. Große Zwischenfälle und Verletzungen habe es in letzter Zeit aber nicht gegeben.

Etwas eng sei es schon in Warnemünde, vor allem während der Hochsaison. Eine Erweiterung der Surfschule sei deshalb schwierig. Deswegen haben Jensen und Weiß sich mittlerweile ein drittes Standbein aufgebaut und den Surf-Doppeldecker-Bus in Saal am Bodden geparkt. Die Bedingungen dort seien vor allem für Anfänger ideal. In der kommenden Zeit wollen die Surflehrer besonders Schüler an den Wassersport heranführen.

Im Winter geben die Jungs beim Snowboarden Gas. Denn wer surfen kann, mache auch dabei eine gute Figur. Und auch wenn Warnemünde nicht Hawaii sei, Weiß hat Gefallen an der Stadt gefunden. "Das Surfen passt einfach zu der Stadt, genau wie die Stadt einfach zum Surfen passt."

In den kommenden Tagen werden wieder viele Kurse vor der Surfschule stattfinden. Ende der Woche soll es laut Weiß Ostwind geben. Ein gutes Zeichen. "Wenn wir Glück haben, hält sich das Wetter." Dass jeder der will, surfen lernen kann, davon ist Weiß überzeugt. Die einzige Bedingung: Man muss schwimmen können.

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