zur Navigation springen

Ins Wespennest gestochen : Stundenausfall: Wen interessiert’s?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erneute Forderung der Grünen, den Unterrichtsausfall an einzelnen Schulen öffentlich zu machen, sorgt für Wirbel in der Landespolitik

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Mit ihrer Kleinen Anfrage, wie viel Unterricht 2013/14 an den einzelnen Schulen im Land ausgefallen ist, hat die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Berger, in ein Wespennest gestochen. Von „verantwortungsloser Profilierungssucht“ und „geforderter Bloßstellung“ von Lehrern spricht SPD-Bildungspolitiker Andreas Butzki angesichts der Forderung der Grünen, die schulgenauen Ausfallstatistiken zu veröffentlichen. Dies würde nicht eine Ausfallstunde verhindern, sondern nur Unfrieden stiften.

Auch das SPD-geführte Bildungsministerium argumentiert ähnlich: „Rankings von Schulen zum Unterrichtsausfall und Vertretungsunterricht helfen niemandem weiter. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Statistiken aus dem vergangenen Schuljahr stammen“, betont der Pressesprecher des Ministeriums, Henning Lipski. Die Daten seien dazu geeignet, Missverständnisse auszulösen und einzelne Schulen in ein schlechtes Licht zu rücken.

Selbst aus der Opposition bekommt er dafür Zustimmung. Linken-Bildungspolitikerin Simone Oldenburg: „Eine unkommentierte Veröffentlichung der Ausfallquoten für Einzelschulen öffnet Vorurteilen und falschen Auslegungen Tür und Tor.“ Statt Schulen an den Pranger zu stellen, müssten ihnen mehr Stunden zugewiesen werden, damit sie unvermeidlichen Ausfall kompensieren können.

Hier aber ist Ulrike Berger durchaus auf einer Wellenlänge mit ihr. „Keine Schule ist davor gefeit, dass es wegen Erkrankungen oder anderer Ereignisse zeitweise zu hohem Vertretungsbedarf kommt“, betont die Grünen-Politikerin. Bei längerfristig hohen Ausfallwerten seien jedoch die Schulämter und das Bildungsministerium in der Pflicht, zusätzliche Vertretungskräfte zur Verfügung zu stellen. Es sei „absolut unverfroren“, dass der Minister diese Verantwortung den Schulen zuschiebe und so tue, als hätte er mit den Ausfallquoten gar nichts zu tun. Eltern und Schüler hätten ein berechtigtes Interesse daran zu erfahren, wie viel Unterricht an ihrer Schule ausfällt. Nach wie vor sei es Schulleitern aber untersagt, ihnen entsprechende Auskünfte zu geben.

Berger hatte bereits im letzten Sommer den Ausfall jeder einzelnen Schule abgefragt – bezogen auf das Schuljahr 2012/13. Damals wurden für eine Reihe von Schulen weit überdurchschnittliche Quoten konstatiert. Ihre neue Anfrage sollte der Überprüfung dienen, ob an diesen Schulen im darauffolgenden Schuljahr Verbesserungen erreicht werden konnten. Und die gab es in der Tat, wie sie aus der Gegenüberstellung der Antworten ableitete. Extreme Ausschläge nach oben seien seltener geworden, so Berger. In einzelnen Schulen hätten sich die Werte aber sogar verschlechtert, so am Schulcampus Evershagen, im Gymnasium in Bergen oder im Schulzentrum Stralsund. Auch an mehreren beruflichen Schulen sei der Ausfall noch weiter gestiegen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen