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Strom um ein Drittel teurer?

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erstellt am 25.Apr.2011 | 07:05 Uhr

Berlin | Ein Blitzausstieg aus der Kernenergie bis Ende 2017 könnte vor allem für die Unternehmen teuer werden: "Die Strom-Großhandelspreise lägen im Jahr 2018 mit 70 Euro pro Megawattstunde um bis zu 30 Prozent höher als ohne vorgezogenen Ausstieg", warnte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Osterwochenende. 137 Euro im Jahr müsste ein Privathaushalt im Jahr 2018 jährlich mehr als heute zahlen, doch nur 53 Euro davon wären einem verschärften Ausstiegstempo zuzuschreiben. Diese Ergebnisse einer Studie des Kölner Energieforschungsinstituts r2b energy consulting sind als neue Munition im Kampf gegen eine Belastung der Wirtschaft im Zuge der Energiewende gedacht.

Verglichen werden die Effekte der bisher geplanten Laufzeitverlängerung für die Atomkraft mit denen eines Turboausstiegs: Demnach bliebe es nach dem dreimonatigen Moratorium bei der Abschaltung von acht Meilern, die restlichen würden bis Ende 2017 stillgelegt. Dieses Extrem szenario fordern bisher nur die Grünen. 33 Milliarden Euro sollen die Mehrkosten betragen, von denen 24 Milliarden Euro auf die Wirtschaft entfielen, neun Milliarden Euro auf die privaten Verbraucher. Im Jahr 2018 wäre für Privatkunden der Preisaufschlag auf die Kilowattstunde mit 1,5 Cent am größten. Dann würde der Ausstieg zusätzlich 53 Euro für einen Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch kosten. Insgesamt wären gegenüber dem jetzigen Stand 137 Euro mehr im Jahr fällig. In der Folge würde sich die Differenz gegenüber einem Szenario ohne beschleunigten Ausstieg jedoch wieder verringern: Im Jahr 2020 wäre die Kilowattstunde mit 27,6 Cent 0,9 Cent teurer als ohne Ausstieg. Der prognostizierte Preisanstieg um 18 Prozent zwischen 2010 und 2020 würde zum größten Teil also auch ohne schnellen Ausstieg stattfinden. Negativ betroffen wären nach der Studie besonders energieintensive Branchen wie die Aluminiumindustrie. Der Kostenanstieg liege bis 2018 für ein solches Unternehmen um 222 Prozent über dem ohne Blitzausstieg erwarteten Anstieg. Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hält dagegen: "Die sehr energieintensiven Unternehmen haben immer schon Sonderverträge".

Für Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) sind die bisherigen Berechnungen und Prognosen für den Kosteneffekt des schnellen Ausstiegs mit Fragezeichen zu versehen: "Alles, was bis jetzt vorliegt, ist noch nicht seriös genug." Für Unternehmen und private Verbraucher müsse vor einer Entscheidung klar sein, was auf sie zukomme. Der Zeitplan der Kanzlerin, bis Mitte Juni die Energiewende unter Dach und Fach zu bringen, sei angesichts der Aufgabe "nur sehr schwer zu erfüllen".

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