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Lubmin : Stresstest für Zwischenlager startet

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Ein dreiviertel Jahr nach der Atomkatastrophe von Fukushima wird nun auch das Zwischenlager Nord (ZLN) bei Lubmin einem so genannten Stresstest unterzogen. Er war bereits für 2011 angekündigt.

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erstellt am 05.Jan.2012 | 12:57 Uhr

Ein Dreivierteljahr nach der Atomkatastrophe von Fukushima wird nun auch das Zwischenlager Nord (ZLN) bei Lubmin einem so genannten Stresstest unterzogen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (beide CDU) hatten dies allerdings schon Ende März vergangenen Jahres angekündigt - dann tat sich lange nichts.

Wie jetzt eine Sprecherin des in Mecklenburg-Vorpommern zuständigen Innenministeriums auf Nachfrage unserer Redaktion sagte, habe das Bundesumweltministerium nun die Entsorgungskommission (ESK) beauftragt, auch im Bereich des ZLN Sicherheitsüberprüfungen analog zum Stresstest für die Deutschen Kernkraftwerke durchzuführen. Die Entsorgungskommission habe mitgeteilt, ab Beginn des ersten Halbjahres 2012 den Untersuchungsauftrag auszuführen. Das Bundesumweltministerium äußerte sich trotz mehrfacher Nachfrage nicht. Eine Begründung dafür wurde ebenfalls nicht gegeben.

Dass die Sicherheitsüberprüfung des Zwischenlagers Nord "analog zum Stresstest für die Deutschen Kernkraftwerke" durchgeführt werden soll, rief gestern Kritik bei der Opposition hervor. ""Wir haben die so genannten Stresstests für Atomkraftwerke stets als völlig unzureichend kritisiert. Es reicht nicht aus, lediglich die Unterlagen zu kontrollieren, ohne die Situation vor Ort in Augenschein zu nehmen", sagte die energie- und umweltpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Mignon Schwenke. Auch für das ZLN reiche es nicht aus, nur die Unterlagen einzusehen. Hier müsse unbedingt das Gutachten zugrunde gelegt werden, das im Auftrag des MV-Innenministeriums erstellt worden war und erhebliche Sicherheitsfragen aufgeworfen habe. "Diese Fragen müssen bei der Sicherheitsprüfung dringend beantwortet werden", forderte Schwenke.

Das sieht der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Jürgen Suhr, ebenso. Zwar begrüße man ausdrücklich, dass das Zwischenlager Nord jetzt in die Überprüfung einbezogen werde. Aber: "Wenn das Bundesumweltministerium jedoch ankündigt, man wolle beim angekündigten Stresstest analog das Verfahren nutzen, welches seinerzeit auch bei den deutschen Atomkraftwerken angewandt worden ist, dann steht zu befürchten, dass man sich auch hier nur auf schriftliche Angaben des Betreibers, der bundeseigenen EWN, verlassen wird. Einen echten Stresstest wird es also vermutlich gar nicht geben", sagte Suhr. Dies ist auch deshalb bedenklich, weil dem Innenministerium ja bereits ein Gutachten vorliege, das erhebliche Risiken beschreibe. Ein Stresstest müsste nun also diese Risikobewertung aufgreifen und sich nicht nur auf die Aussagen des Betreibers verlassen, der vor allem ein wirtschaftliches Interesse am Weiterbetrieb des ZLN habe. Die Energiewerke Nord (EWN), die das Zwischenlager betreiben, haben nach eigenen Angaben noch keine Information über den nun eingeleiteten Stresstest: "Es ist noch niemand an uns herangetreten", sagte die stellvertretende Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit, Gudrun Oldenburg. Schon im März vergangenen Jahres hatten sich die EWN zuversichtlich gezeigt: Nachdem das ZLN nach dem 11. September 2001 einer umfassenden Sicherheitsüberprüfung unterzogen worden sei, stehe man "einer neuerlichen Sicherheitsüberprüfung, wie von der Bundesregierung angekündigt, aufgeschlossen gegenüber", hieß es seinerzeit aus der Chefetage.

Die EWN wurden als Rechtsnachfolger der 1990 vom Netz genommenen DDR-Kraftwerke gegründet und verantworten den Rückbau der atomaren Hinterlassenschaften sowie die Zwischenlagerung von Atom-Müll, der dem Bund gehört. Das Zwischenlager beherbergt 74 Castor-Behälter mit hochradioaktiven Abfällen sowie rund 26 000 Tonnen schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus den stillgelegten Kernkraftwerken der DDR. Die Genehmigung zur Lagerung hochradioaktiver Abfälle ist bis 2039 befristet. Die Zwischenlagerung der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle erfolgt laut EWN bis zur Abgabe an das Endlager Konrad. Mittlerweile gibt es zwei Klagen der EWN gegen das Land, die eine längere Lagerung zum Ziel haben. Das Innenministerium in Schwerin hatte einen entsprechenden Antrag des bundeseigenen Zwischenlager-Betreibers im April vergangenen Jahres abgelehnt.

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