Lehrer : Streit um Seiteneinsteiger an den Schulen

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13. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Seiteneinsteiger können künftig leichter hauptamtliche Lehrer an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns werden. Das wird nach Ansicht von SPD und CDU durch eine gestern vom Landtag beschlossene Änderung des Lehrerbildungsgesetzes möglich. Die oppositionelle Linkspartei befürchtet allerdings „chaotische“ Verhältnisse für Bewerber, die aus anderen Berufen kommen und den studierten Lehrern gleichgestellt werden wollen.

Einig waren sich die Bildungspolitiker, dass Mecklenburg-Vorpommern alle Hebel in Gang setzen muss, um künftig genügend gute Lehrer für die Schulen zu finden. Nun aber ebne die SPD/CDU-Koalition einer „Schnellbesohlung“ und einer „Schmalspurausbildung“ für Seiteneinsteiger den Weg, so Simone Oldenburg (Linkspartei). Die Weiter- und Ausbildung für die Seiteneinsteiger sei nicht zuverlässig geregelt und bleibe dem Zufall überlassen. Wer ohne pädagogische Ausbildung Kinder unterrichte, könne aber in der Regel nicht das selbe leisten wie vollausgebildete Lehrer.

Für die Grünen ist das neue Lehrerbildungsgesetz ein Wirrwarr von Regeln, Ausnahmen und Gummiparagraphen. Das reguläre Lehramtsstudium werde durch die Vorgaben für Seiteneinsteiger aufgeweicht, so die Abgeordnete Ulrike Berger. Die Regierungskoalition schlage Bedenken der Universitäten, der Experten für die Lehrerausbildung und der Lehrergewerkschaft einmal mehr in den Wind.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) trat den Befürchtungen entgegen, mit den neuen Regelungen für Seiteneinsteiger könnten Abstriche bei der Qualität der Ausbildung einhergehen. „Für unterschiedliche Gruppen von Seiteneinsteigern wird es verschiedene Bewährungszeiten geben. Das Ausbildungskonzept für Seiteneinsteiger wird selbstverständlich die Standards der Lehrerbildung berücksichtigen“, so Brodkorb. Unangemessen sei es, pauschal alle Seiteneinsteiger zu verdächtigen, sie könnten nicht mit Kindern umgehen. Wer nur studierte Pädagogen für fähig halte, Kindern etwas beizubringen, spreche indirekt auch Eltern diese Fähigkeit ab.

Das Land baut nach Angaben des Ministers durch die Gesetzesänderung auch Hürden bei der Anerkennung von Lehramtsabschlüssen ab. Bewerberinnen und Bewerbern aus anderen Bundesländern werde der Einstieg in den Vorbereitungsdienst und den öffentlichen Schuldienst erleichtert. „Mecklenburg-Vorpommern erkennt damit einen Lehramtsabschluss, der in einem anderen Bundesland nach den Vorgaben der Kultusministerkonferenz erworben wurde, an“, sagte Brodkorb. Das Land sei künftig auf gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer auch aus anderen Bundesländern angewiesen. Wenn sie sich bewerben, dürften sie keine Nachteile gegenüber hiesigen Lehrern haben.

Außerdem verbessert das Land laut Brodkorb die Qualität der Lehrerausbildung: Lehramtsstudierende erhalten künftig an der Hochschule unter anderem Veranstaltungen zum Datenschutz. Mentoren, die Referendare betreuen, müssen neben einem Lehramtsstudium auch eine fünfjährige Berufserfahrung vorweisen. Für die Betreuung der Referendare erhalten sie vom Schuljahr 2014/2015 an Anrechnungsstunden – müssen also zum Ausgleich für die Referendarsausbildung weniger unterrichten.

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