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Smart Meter : Streit um intelligente Stromzähler

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bund plant verpflichtenden Einbau der Smart Meter. Doch dafür hagelt es Kritik von Grünen und Verbraucherschützern

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2015 | 06:00 Uhr

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen ab 2020 Haushalte ab einem Jahresstromverbrauch von 6000 Kilowattstunden dazu verpflichtet werden, digitale intelligente Messsysteme einbauen zu lassen. Großabnehmer müssen sogar schon ab 2017 damit beginnen. Bei kleineren Haushalten soll der Einbau im Ermessen des Energieversorgers bzw. des Vermieters liegen. Mit dem Entwurf eines entsprechenden Gesetzes beschäftigt sich heute der Bundesrat. Hintergrund ist eine EU-Richtlinie, die bis 2020 vorschreibt, 80 Prozent aller Haushalte mit den neuartigen, Smart Meter genannten Messsystemen auszustatten.

Doch noch bevor diese in nationales Recht überführt worden ist, regt sich Widerstand. Auf Initiative der Grünen beschäftigte sich am späten Mittwochabend der Landtag Mecklenburg-Vorpommerns mit der Problematik. Allerdings stimmten nur Grüne und Linke für den Antrag „Kein Smart-Meter-Zwang für Privathaushalte – Einbaupflicht digitaler, ,intelligenter‘ Messsysteme bei Kleinverbrauchern ist kein Beitrag zur Energiewende“. Die Regierungsparteien lehnten ihn ab. Grünen-Fraktionsvorsitzender Jürgen Suhr begründet die Haltung seiner Fraktion damit, dass die Kosten, die Verbrauchern durch den Einbau der neuen Messsysteme entstehen – laut Gesetzentwurf der Bundesregierung bis zu 100 Euro jährlich – in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Grünen-Energieexperte Johann-Georg Jäger ergänzt: „Die Installation intelligenter Messsysteme bewirkt noch keine Einsparungen von Strom oder Kosten.“ Dafür sei zum einen eine Veränderung des Verbrauchsverhaltens nötig, zum anderen fehle es derzeit an attraktiven Angeboten für flexible Stromtarife.

Auch die Verbraucherzentralen bemängeln, dass es durch die neuen Messgeräte keinen Zusatznutzen, zum Beispiel in Form von Effizienzgewinnen oder variablen Tarifen, gibt. Dennoch könnten Stromversorger ihren Abnehmern den Einbau der Smart Meter vorschreiben. Horst-Ulrich Frank von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern sieht noch ein weiteres Problem: Die neuen, intelligenten Stromzähler sollen nicht nur Möglichkeiten für eine automatische Steuerung und Schaltung von Geräten bieten, sie sollen auch im 15-Minuten-Takt elektronisch Verbrauchsdaten übertragen. Vor diesem Hintergrund mahnen Verbraucherschützer an, Datenschutz und Datensicherheit zu gewährleisten. Denn die Smart Meter könnten sehr viel über die Gewohnheiten der Haushalte verraten.

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