Palliativmediziner fehlen : Sterbenskranke zu oft allein gelassen

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Wartelisten für Hospize und Hospizdienste im Land

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10. Juni 2015, 06:30 Uhr

Bereits seit 2007 haben unheilbar kranke Menschen einen gesetzlich verbrieften Anspruch darauf, in der letzten Phase ihres Lebens zu Hause behandelt zu werden. Spezialisierte ambulante Palliativversorgung, kurz SAPV, ist der Fachbegriff dafür. Tatsächlich aber nehmen nur vier Prozent aller Betroffenen diese Betreuung am Ende ihres Lebens in Anspruch, weiß die gesundheits- und pflegepolitische Sprecherin der Linken-Landtagsfraktion, Karen Stramm. Die Gründe seien vielfältig: Häufig wüssten Schwerstkranke und ihre Angehörigen gar nichts von dem Rechtsanspruch. Vor allem aber gebe es entsprechende Angebote auch gar nicht flächendeckend.

In Mecklenburg-Vorpommern arbeiten derzeit elf auf die Betreuung Erwachsener ausgerichtete SAPV-Teams – in den Regionen Rostock, Ribnitz-Damgarten, Stralsund-Rügen, Ludwigslust und Umland, Vorpommern-Greifswald, Schwerin und Umgebung, Ueckermünde, Mecklenburgische Seenplatte, Landkreis Rostock, Nordwestmecklenburg und Neubrandenburg –, sowie ein weiteres, das sich landesweit um unheilbar kranke und sterbende Kinder kümmert. Der Einzugsbereich eines „normalen“ SAPV-Teams umfasst einen 30-, in Ausnahmen einen 40-Kilometer-Radius. „Da bleiben viele weiße Flecken“, weiß Stramm.

Die Landesregierung dagegen schätzt das Angebot als „weitgehend bedarfsgerecht“ ein – so steht es in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Politikerin. Die aber sieht das anders: Die meisten Menschen in MV müssten weiterhin unbegleitet und vielfach unter unnötigen Schmerzen sterben, kritisiert Stramm. Denn es fehlten Ärzte, die sich auf Palliativmedizin spezialisiert hätten.

Auch die Versorgung mit Hospizplätzen reiche nicht aus, kritisiert die Linken-Politikerin. „Es gibt im Land lediglich sieben stationäre Hospize mit rund 70 Betten.“ Für sie existierten ebenso Wartelisten wie bei den meisten ambulanten Hospizdiensten. 20 dieser Dienste gibt es aktuell im Land, erst jüngst hätte in Ludwigslust ein Dienst aufgeben müssen, weil die medizinische Betreuung nicht mehr gewährleistet war, so Stramm. Es sei aus ihrer Sicht auch nicht einfach, Ehrenamtler für die Hospizarbeit zu gewinnen, da viele die Begegnung mit dem Tod scheuten.
 

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