Politik : Spitzenjob bei Backhaus für Gattin von SPD-Genossen

Carina Stopsack-Sternberg auf einem älteren Foto.
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Carina Stopsack-Sternberg auf einem älteren Foto.

Neue Leiterin der Koordinierungsstelle im Büro des Landwirtschaftsministers mit politischer Vergangenheit

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24. Juli 2015, 06:30 Uhr

Große Verwunderung im Landwirtschaftsministerium: Ausgerechnet eine in der Landesverwaltung bislang unbeleckte Rechtsanwältin, die sich eher mit Ehescheidungen beschäftigte, bekommt direkt im Ministerbüro einen Spitzenjob , der Fachkenntnisse in der Arbeit aller acht Ministerien, der Kabinettsrunde in der Staatskanzlei sowie dem Landtag voraussetzt, und der auch die Schnittstelle zum Bundesrat ist. Seit 1. Juli ist Carina Stopsack-Sternberg Leiterin der Koordinierungsstelle bei Minister Till Backhaus (SPD). Bis vor kurzem hatte Frau Stopsack-Sternberg noch eine Kanzlei u. a. für Familienrecht in Grabow. Der Personalrat habe gegen die Einstellung ein Veto eingelegt, heißt es im Ministerium. Auch enge Mitarbeiter von Backhaus äußerten Zweifel. Aber der Minister habe sich gegen die Bedenken durchgesetzt. Gerne benutzter Spruch von Backhaus in solchen Situationen: „Ich brauche jemanden, der politisch denkt.“

Politisch denkt ganz sicher der Ehemann der neuen Referentin im Ministerstab, Stefan Sternberg. Er ist seit 2013 Bürgermeister in Grabow, gewählt als SPD-Kandidat . Erst seit 2011 ist Sternberg SPD-Mitglied, aber inzwischen sogar Mitglied des SPD-Landesvorstandes als Vertreter der kommunalen Ebene. Ein kometenhafter Partei-Aufstieg, den bislang in vergleichbarer Weise nur Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig in der SPD schaffte.

SPD-Aufsteiger Sternberg gehe im Ministerium ein und aus, heißt es dort und habe beste Verbindungen zum Minister selbst. Er gilt inzwischen auch als SPD-Vorzeigepolitiker für seine kommunalpolitische Arbeit.

Dass dies mit der jetzigen Einstellung seiner Frau im Ministerbüro im Zusammenhang steht, weist man dort weit von sich. Muss man auch. „Die Stelle war nach dem Weggehen eines Mitarbeiters vakant und wurde öffentlich ausgeschrieben“, so eine Sprecherin. 121 Bewerbungen habe es gegeben, unter denen Frau Stopsack-Sternberg in einem ordnungsgemäßen Verfahren ausgewählt worden sei. Als Voraussetzung war gefordert, dass der Bewerber entweder Volljurist sein sollte oder einen Masterabschluss in Politikwissenschaften oder in der Fachrichtung Landwirtschaft, Umwelt bzw.Natur habe. Die Parteimitgliedschaft sei nicht erfragt worden. Darf auch nicht.

Nach ihrer Verwaltungsqualifikation befragt, antwortet Carina Stopsack-Sternberg gestern im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich bin Volljuristin. Da ist die öffentliche Verwaltung Bestandteil der Ausbildung.“ Sie habe Referendariate in der Verwaltung gemacht. Till Backhaus habe sie zuvor persönlich nicht gekannt. Nur in ihrer politischen Arbeit sei sie ihm gelegentlich begegnet – als ehemalige CDU-Kommunalpolitikerin.

Auch dem in der Region verwurzelten Minister und ehemaligen SPD-Landeschef wird nicht entgangen sein, dass seine neue Koordinierungsreferentin eine beachtliche CDU-Karriere in der Kommunalpolitik hinter sich hat, bevor sie sich von der CDU abwandte. Carina Stopsack-Sternberg war stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende und Stadtvertretervorsteherin in Grabow. Sie war auf Wahlkampfbildern mit dem ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU), mit Horst Seehofer (CSU) und auch dem ehemaligen CDU-Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) zu sehen, als er als Spitzenkandidat in MV in den Wahlkampf zog. Dann kam es zum Zerwürfnis, als die Grabower Stadtvertretung ihr 2011 einen Rechtsberatervertrag mit der Stadt aufkündigte, den sie trotz ihrer Funktion als CDU-Stadtabgeordnete innehatte. In der Folge trat Frau Stopsack-Sternberg auch aus der CDU aus.

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