SPD vorn - CDU rutscht auf Platz drei

Wahlsieger, Wahlverliererin: Der Bürgermeister von Bremen, Jens Böhrnsen (SPD), und CDU-Kandidatin  Rita Mohr-Lüllmann dpa
Wahlsieger, Wahlverliererin: Der Bürgermeister von Bremen, Jens Böhrnsen (SPD), und CDU-Kandidatin Rita Mohr-Lüllmann dpa

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22. Mai 2011, 07:43 Uhr

Bremen/Berlin | Rot-Grün siegt, ein bitterer Tag für Schwarz-Gelb: Bremen hat gewählt. Die CDU, plötzlich nur noch auf Platz drei hinter SPD und Grünen - ein Novum. Die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlen an der Weser, auch ein Signal für die Bundespolitik? Für Angela Merkel, Philipp Rösler, Sigmar Gabriel & Co. war es ein Stimmungstest - nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Sie sind die Sieger des Abends: Euphorie bei den Grünen, auch in Berlin. Jürgen Trittin strahlt. "Eine Steilvorlage für die Auseinandersetzung bei der Bundestagswahl", freut sich der Grünen-Fraktionschef über das Bremer Ergebnis. Erstmals überhaupt bei Landtagswahlen in Deutschland ist die Ökopartei an der CDU vorbeigezogen. Respekt und Gratulationen für Karoline Linnert, die Spitzenkandidatin in Bremen. Die Grünen in der Hauptstadt, beflügelt vom Erfolg an der Weser. Sollten sie sich nun schon einmal gar nach einem Kanzlerkandidaten für 2013 umsehen? "Wir machen jetzt erst einmal unsere Arbeit", wehrt Trittin gestern Abend ab. "Wir sind bodenständig genug, um nicht abzuheben."

Wieder gewonnen in Bremen, Rot-Grün bestätigt - Sigmar Gabriel ist allerbester Laune an diesem Abend. "Wir gratulieren aus Berlin ganz herzlich", lobt der SPD den "Riesenerfolg" der Genossinnen und Genossen an der Weser. Bereits zum achtzehnten Mal in Folge hätten die Sozialdemokraten nun gewonnen und bei einer Wahl überzeugt. Das gute SPD-Ergebnis im 400 Kilometer entfernten Bremen wirkt wie Balsam auf die Seelen der versammelten Sozialdemokraten in Berlin. Genugtuung bei Gabriel & Co. im Willy-Brandt-Haus, als sich SPD-Mann Jens Böhrnsen um 18.10 Uhr bei der Bremer Wahlparty den Weg durch die Menge bahnt. "Wir haben großen Grund zur Freude", so Böhrnsen.

Nur noch Platz drei, die Grünen vor der CDU - so die Prognosen, als die Wahllokale in Bremen schließen. Bereits am Nachmittag hatten entsprechende Zahlen im Berliner Konrad-Adenauer-Haus für Ernüchterung gesorgt. Nur Platz drei mit Spitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann - Enttäuschung und lange Gesichter in der CDU-Zentrale. Nachdenklich und selbstkritisch fallen die ersten Reaktionen in der Merkel-Partei aus. "Das Ergebnis ist schmerzhaft für uns", will Peter Altmeier, Fraktionsgeschäftsführer der Union im Bundestag, nicht um den heißen Brei herumreden. Und die FDP? Vor gut einer Wochen erst hatten die Liberalen eine neue Führung gewählt, nun hofften sie bereits auf den "Rösler-Effekt" in Bremen. Katzenjammer im Thomas-Dehler-Haus. Nach Rheinland-Pfalz fliegt die FDP nun auch in Bremen aus dem Parlament. Die erhoffte Trendwende sieben Tage nach dem Rostocker Parteitag - sie ist ausgeblieben. Die Liberalen hätten sich gerade erst auf den Weg begeben, sich neues Vertrauen zu erarbeiten. "Wir haben noch ein Stück vor uns", analysiert Generalsekretär Christian Lindner das Bremer Ergebnis.

Rot-Grün kann in Bremen weiterregieren, dieses Mal sogar als große Koalition. Böhrnsen und seine Stellvertreterin Linnert betonen gern, wie gut ihre beiden Parteien zusammen gearbeitet haben - nämlich auf Augenhöhe. Das soll nach dem Willen beider auch so bleiben. Allerdings: Da die Grünen kräftig an Stimmen gewonnen haben und nunzweitstärkste Fraktion sind, werden sie den Anspruch auf einen dritten Senatorenposten erheben. Die SPD muss somit eines ihrer fünf Ressorts abgeben.

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