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Landgestüt Redefin : Sparzwang auf Reiterhof

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weniger Personal und Pferde, höhere Gebühren: Backhaus legt neuen Sanierungsplan für Landgestüt Redefin vor

svz.de von
erstellt am 15.Sep.2014 | 21:00 Uhr

Geldnot auf dem Reiterhof: Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) kommt im Landgestüt Redefin mit seinem Sparkonzept nur schleppend voran. Auch mit einem heute im Kabinett zur Abstimmung gestellten neuen Sanierungsplan bleibt er hinter den Vorgaben zurück. Das unter Verschluss gehaltene sechsseitige Konzept mit 21 Seiten Anlagen sieht Einsparungen von 300 000 Euro jährlich vor – aber erst bis 2018 und damit fünf Jahre später als ursprünglich vorgesehen. Es liegt unserer Redaktion vor. Und: Die Einsparungen fallen noch nicht einmal halb so hoch aus wie vom Kabinett vor sechs Jahren vorgegeben.

Monatelang hatte Backhaus prüfen lassen. Jetzt muss er eingestehen, „dass die Möglichkeiten der Landesregierung den Zuschussbedarf zu reduzieren, sehr begrenzt sind“, heißt es in der Kabinettsvorlage. Zugleich stimmt er seine Ministerkollegen auf dauerhafte Millionenzuschüsse ein: So ließen „sich die finanziellen Verpflichtungen des Landes zum laufenden Betrieb in den kommenden Jahren nicht deutlich reduzieren“.

Weniger Hengste, besseres Marketing, Auftragsvergabe an Externe, besseres Finanzmanagement, weniger Personal: Der 20-Punkte-Plan sieht zumindest vor, den Landeszuschuss bis 2018 von derzeit 1,55 Millionen Euro auf 1,27 Millionen Euro zu kürzen. Vorgesehen ist, die Jobs im Gestüt um fünf auf 30 Kernstellen abzubauen, dafür aber fünf Lehrlinge mehr einzustellen – bis 2018 sollen die Personalkosten so um 175 000 auf 1,6 Millionen Euro sinken. Zudem sollen unter anderem nur noch drei Deckstationen in Redefin, Rostock-Kritzmow und Göhren-Lebbin vom Landgestüt selbst, sieben weitere in Altkamp, Broock, Heidekrug, Hohenmocker, Rupensdorf, Sundhagen und Zehlendorf von Dritten betrieben werden. Auch hat sich das Gestüt bereits von fünf der 35 Hengste getrennt und den Einkauf von Fohlen auf 17 Tiere begrenzt. Ab 2015 will Backhaus die Kursgebühren für die Reit- und Fahrschule erhöhen und ab 2016 den Tourismusbereich in eine Fremdfirma auslagern.

Vor einer vor einem Jahr von externen Gutachtern empfohlenen weitgehenden Privatisierung der Hengstaufzucht- und -haltung, der Reit- und Fahrschule, Aus- und Weiterbildung, Hengstparaden sowie des Tourismus- und Veranstaltungsservice in eine GmbH schreckt Backhaus aber zurück. Die Gutachter hatten sich davon deutliche Kostensenkungen versprochen. Backhaus Haus kommt hingegen zu dem Schluss, „dass wesentliche Einsparvorschläge wie die Flexibilisierung der Arbeitsverträge durch Rechtsformwechsel an rechtlichen Hürden scheitern“ und eine Privatisierung weit weniger Kosten sparen würde als angenommen.

Der neue Sparplan ist einer von mehreren in den vergangenen Jahren vorgelegten Sanierungskonzepten – allein der hohe Finanzbedarf für den Reiterhof ist geblieben. Auf dem Höhepunkt des Kostenstreits um das defizitäre Landgestüt hatte die Ministerrunde 2008 beschlossen, binnen fünf Jahren die vom Land damals gezahlten Zuschüsse von 1,4 Millionen Euro auf 760 000 Euro bis 2013 zurückzufahren. Fehlanzeige: Statt Einsparungen stockte das Land die Finanzhilfe sogar noch auf und zahlt in diesem und im kommenden Jahr jeweils fast 1,6 Millionen Euro an Verlustausgleich.


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