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SOS der Naturschützer: Maß ist voll

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erstellt am 22.Mär.2011 | 07:15 Uhr

Schwerin / Plau am See | Es war schon ein Paukenschlag, mit dem die Naturschützer gestern aufwarteten: Auf der Landespressekonferenz verkündete der Global Nature Fund (GNF), dass der Plauer See zum "Lebendigen See des Jahres" ernannt wurde - eine Wahl, die überhaupt zum ersten Mal in Deutschland durchgeführt wird. Die Entscheidung war von den Mitgliedern des Netzwerkes "Lebendige Seen Deutschland" getroffen worden, dem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband M-V, als Partner angehört.

In der Begründung wird herausgestellt, dass der als europäisches Schutzgebiet (FFH, Fauna-Flora-Habitat) ausgewiesene See "unter enormem Druck steht." Es bestehe die Gefahr, dass der am Ufer noch weitgehend unverbaute See, "durch die Ausdehnung touristischer Infrastrukturprojekte seine Qualität verliert." Yachthäfen, Ferienparks und Wohngebiete dringen in sensible Uferbereiche vor und "führen zu einer Zersiedlung und den Verlust bisher wenig beeinträchtigter Landschaft, die für streng geschützte Tierarten unverzichtbar ist." Der Plauer See stehe damit für eine allgemein zu beobachtende Entwicklung an großen Seen in Nordostdeutschland.

"Indem wir einen See des Jahres in Deutschland küren, möchten wir gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort Projekte zur Verbesserung der Gewässer- und Uferqualität des ausgewählten Sees initiieren und umfassend über den notwendigen Schutz informieren", umriss Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des Global Nature Fund, das Ziel. Dabei setze man auf den Dialog aller Interessengruppen. Er verwies darauf, dass die Seen in Deutschland insgesamt, die sehr sensible Lebensräume darstellten, zunehmend durch Wasserverschmutzung, Zerstörung der Uferlandschaften, Überfischung, Artensterben und den Klimawandel bedroht wären. Fehler aus der Vergangenheit, wie z.B. die massive Zersiedlung an den Ufern der Alpenseen dürften in Mecklenburg-Vorpommern nicht wiederholt werden.

Dr. Hans-Joachim Reinig, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Plau, zeigte sich besorgt darüber, dass "an zahlreichen sensiblen Uferabschnitten des Plauer Sees Baugebiete ausgewiesen wurden, die nach Auffassung des BUND zu einer Beeinträchtigung der Schutzziele der NATURA 2000 und der nationalen Schutzgebiete führen." Dazu seien die betreffenden Flächen durch den Landkreis Parchim bzw. Müritzkreis aus den Landschaftsschutzgebieten herausgelöst worden. Seit 1999 wäre dies bereits in zehn Fällen erfolgt. Per Gesetz habe die Landesregierung zudem sogar den Uferschutzstreifen der Seen in Mecklenburg-Vorpommern von einst 100 auf 50 Meter herabgesetzt. Damit nicht genug. Hinzu komme, dass - obwohl Bautätigkeiten untersagt sind - in diesem Streifen regelmäßig Ausnahmen zugelassen würden. Dr. Reinig verwies auf mehrere aktuelle Bauvorhaben. So entstehe an der "Dresenower Mühle" in der Gemeinde Ganzlin "ein den örtlichen Rahmen sprengendes Großprojekt" u.a. mit Hotel und Bootsanleger. Arbeiten würden auch am "Kalkofen" in Plau am See zum Bau einer Ferienanlage und eines Hafens laufen. Mit der Anlegung eines privilegierten Eigenheimgebietes mit Marina sei außerdem in Alt-Schwerin / Jürgenshof begonnen worden. Letzteres war laut Dr. Reinig mit ausdrücklicher Unterstützung von Landeswirtschaftsminister Seidel (CDU) gegen klare Vorgaben der Raumordnung, die eine Bebauung dieses Areals ausschließen, sowie gegen den Widerstand von BUND und Bürgerinitiativen durchgeboxt worden. Geplant sei außerdem der Bau eines Yachthafens in der Leistener Lanke, einer Bucht fernab von Siedlungen. Mit der Umsetzung dieses Vorhabens würden wichtige Lebensräume, u.a. für den Fischotter beseitigt. Ungeachtet von Einwänden des BUND und Bürgerinitiativen habe die Stadt Plau das Projekt in unveränderter Form genehmigt.

Die grundlegende Schlussfolgerung des Naturschützers: "Bei den Kommunen fehlt leider das Verständnis für eine abgestimmte und den Naturschutzzielen entsprechende Entwicklung am Plauer See." Jede Gemeinde habe ihre eigenen Vorstellungen. Es gehe aber um den See als Ganzes. "Wir erwarten, dass möglichst bald durch die Umweltbehörden ein FFH-Managementplan erstellt wird", betonte Dr. Reinig. Dadurch könnten Konfliktherde herausgearbeitet und ein Schutzkonzept erstellt werden.

"Die Nutzung des Plauer Sees hat das für die bedrohten Lebensräume erträgliche Maß erreicht. Der BUND fordert bereits seit langem ein übergreifendes Wassertourismuskonzept für die Mecklenburgische Seenplatte", macht Arndt Müller, Naturschutzexperte des BUND Landesverbandes, auf einen weiteren bedrohlichen Aspekt aufmerksam. Insgesamt werde man die Anstrengungen verstärken, weitere Strategien und Aktivitäten entwickeln, um das Verständnis für den natürlichen Wert des Plauer Sees und dessen Schutz zu fördern, wie z.B. durch Exkursionen, Seminare und Beteiligungen an Genehmigungsverfahren. Konkrete Naturschutzprojekte, wie zum Schutz beeinträchtigter Uferabschnitte, seien in Arbeit.


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