Kassen-Reform : So teuer wird Gesundheit

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Werden Krankenversicherte im nächsten Jahr weniger zahlen und wann steigen die Kosten wieder? Alles zur Kassen-Reform

svz.de von
26. März 2014, 21:17 Uhr

Das Bundeskabinett hat gestern grünes Licht für die Pläne von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zur Reform der Kassenfinanzen gegeben. Der CDU-Politiker verspricht, dass viele gesetzlich Krankenversicherte im kommenden Jahr weniger zahlen müssen. Die Kassen kontern und erklären, dies werde sich erst im Herbst zeigen. Wer kann mit Entlastung rechnen? Wie wirkt sich die Reform auf die rund 50 Millionen gesetzlich Versicherten aus? Hintergründe zu den schwarz-roten Plänen von Rasmus Buchsteiner.

Was sind die Eckpunkte

der Reform?
Der bisherige Beitragssatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung von 15,5 Prozent soll Anfang 2015 auf 14,6 Prozent gesenkt werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer übernehmen jeweils 7,3 Prozent. Der bisherige allein von den Beschäftigten zu tragende Sonderbeitrag von 0,9 Prozent, eingeführt 2005 als Gegenfinanzierung von Zahnersatz und Krankengeld, entfällt.

Was ändert sich bei den

Zusatzbeiträgen?
Die bisherigen Zusatzbeiträge – oft kleine Kopfpauschale genannt – werden abgeschafft. Kommen Kassen mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht aus, können sie künftig einkommensabhängige Zusatzbeiträge von ihren Versicherten verlangen. Anders als bisher würden diese nicht mehr individuell dem Versicherten in Rechnung gestellt, sondern beim Lohn „einbehalten“. Eine weitere Änderung: Künftig gibt es für die Kassen nicht mehr die Möglichkeit, Mitgliedern bei guter Finanzlage Prämien zu zahlen.

Werden Versicherte

2015 entlastet?
Die Streichung des Sonderbeitrags von 0,9 Prozent macht es möglich. „Im nächsten Jahr könnten nach unseren Berechnungen auf diese Weise etwa 20 Millionen Versicherte durch geringere Beiträge entlastet werden“, hatte Gesundheitsminister Gröhe im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion erklärt. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) reagiert zurückhaltend. GKV-Vorstandschefin Doris Pfeiffer: „Ob es im Durchschnitt aller Krankenkassen tatsächlich zu einer Entlastung der Versicherten kommt, wird sich erst im Herbst entscheiden, wenn die Krankenkassen ihre Haushalte für 2015 aufstellen.“

Wann wird es teurer

für Versicherte?
Die Aufwendungen der Kassen für Arzneimittel, Ärztehonorare und Kliniken dürften auch in den nächsten Jahren deutlich steigen, so dass nach Schätzungen schon 2017 ein Finanzloch von zehn Milliarden Euro entstehen dürfte. Übersteigen die Ausgaben die Einnahmen des Gesundheitssystems, müssten auch nach den schwarz-roten Reformplänen die Versicherten die Kosten tragen. Der Arbeitgeberbeitrag bleibt wie bisher „eingefroren“ – ein für die SPD schmerzlicher Kompromiss. Kassen mit zusätzlichem Finanzbedarf dürften zunächst einmal Zusatzbeiträge verlangen. Der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem rechnet für das Jahr 2017 mit Zusatzbeiträgen von mindestens 1,3 bis 1,5 Prozent.
Wie können Versicherte

ihre Kasse wechseln?
Versicherte haben ein Sonderkündigungsrecht zum nächsten Monatsende, sofern ihre Kasse erstmals Zusatzbeiträge erhebt oder die bestehenden erhöht.



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