Rollatoren - die stützende Gehilfe : Selbstständig mit vier Rädern

Wer  Hemmungen hat, einen  Rollator zu benutzen, sollte  vor dem Kauf bei einem  Ausflug mit einem  geliehenen Gehwagen  testen, ob sie  oder  er  damit  zurechtkommt. dapd
Wer Hemmungen hat, einen Rollator zu benutzen, sollte vor dem Kauf bei einem Ausflug mit einem geliehenen Gehwagen testen, ob sie oder er damit zurechtkommt. dapd

Rollatoren sind aus Deutschland kaum noch wegzudenken, jährlich bekommen rund 500 000 gehbehinderte Menschen einen gekauft oder geliehen. Die Gehilfen sollten aber nicht aus Bequemlichkeit genutzt werden.

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11. September 2012, 09:21 Uhr

Als in Schweden Anfang der 90er- Jahre die ersten Gehhilfen auf vier Rädern in den Handel kamen, war man in Deutschland zunächst skeptisch. Würden sich die rollenden Unterstützer auch hier verkaufen? "Mittlerweile sind Rollatoren aus dem Stadtbild kaum noch wegzudenken, jährlich bekommen rund 500 000 gehbehinderte Menschen von ihrer Krankenkasse einen gekauft oder geliehen", sagt Sozialpädagogin Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen.

Für ältere Menschen, die etwa nach einem Sturz oder einer Operation sehr schwach auf den Beinen sind oder auch starke Gleichgewichtsstörungen haben, sei der Rollator meistens ein Segen, sagt Lenz. "Wer große Furcht davor hat, zu stürzen, erhält damit ein Stück Unabhängigkeit und Mobilität zurück." Schon in der eigenen Wohnung mache es einen großen Unterschied, "ob ich meine Wasserflasche selbst aus der Küche holen kann oder dafür auf fremde Hilfe angewiesen bin", sagt die Expertin. Erst recht beim Gang nach draußen: "Es ist schön zu sehen, dass Menschen, die sich zuvor kaum noch vor die Tür getraut haben, mit Hilfe eines Rollators wieder selbst zum Bäcker gehen oder auch zur nahe gelegenen Parkbank - das vereinfacht die Teilhabe am sozialen Leben ringsum enorm."

Das sieht der Hamburger Orthopäde Hans-Ulrich Schmidt ganz genauso, allerdings mit einer Einschränkung: "Ein Rollator sollte niemals aus reiner Bequemlichkeit eingesetzt werden." Wer sein Ziel auch mit einem Gehstock erreiche, solle daran arbeiten, diesen Stand zu halten, denn das Gehen mit einem Stock schule Balance und Koordination ungleich stärker als der Rollator. "Dazu kommt, dass man, sobald man etwas schiebt, nicht mehr gerade geht sondern gebeugt, was auf Dauer einen Rundrücken begünstigt", sagt Schmidt.

Das Fazit des Vertreters des Deutschen Orthopäden-Verbands: Ein uneingeschränktes "Ja" zum Rollator, wenn es gilt, Beweglichkeit zu erhalten, die sonst nicht (mehr) möglich wäre, große Vorsicht dagegen, "wenn ein Mensch einfach nur über 80 ist und sich zuweilen etwas schwach und unsicher fühlt".

Vorteile in Ruhe zu Hause ausprobieren

Dabei gehe es keinesfalls um ein Entweder-Oder, betont der Orthopäde. "Für längere Strecken oder auch zum Einkaufen ist für viele Gehbehinderte ein Rollator mit Korb und eingebautem Pausensitz optimal. Wichtig ist aber auch, es je nach den eigenen Möglichkeiten auch immer wieder ohne zu probieren." Eine Befestigung für den Gehstock sei ohnehin bei fast allen Modellen Standard.

Trotz aller Vorteile, die der Rollator bietet, beobachtet Senioren-Sprecherin Lenz häufig eine gewisse Hemmschwelle, sich das Gerät zuzulegen. Menschen, die sich davor scheuen, in der Öffentlichkeit möglicherweise "alt und gebrechlich" zu wirken, rät sie, die Vorteile erst einmal mit einem Leihgerät der Krankenkasse in der Wohnung oder bei einem Ausflug in eine andere Gegend zu testen. Danach könne man sich überlegen, was einem wichtiger ist: Die Lebensqualität, die man durch die neue Mobilität gewinnt - etwa ohne große Umstände einen Konzertnachmittag zu besuchen oder mit den Enkeln spazieren zu gehen - oder die Meinung, die der Nachbar von der neuen Gehhilfe hat.

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