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Schweres Geschütz aufgefahren

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erstellt am 12.Okt.2012 | 10:24 Uhr

Schwerin | "Es muss jemand sein, der uns hasst. Der etwas davon hat, uns zu schaden", sagt der 61-Jährige. Es ist der Vater des Hauptangeklagten, der Seniorchef des Busunternehmens bei Plau am See, der gestern vor dem Schweriner Landgericht in den Zeugenstand gerufen wurde. Seine Firma war am meisten betroffen von den unheimlichen Busbränden, die von Februar 2011 bis Januar 2012 das Land erschütterten. In Plau, Plauerhagen und Parchim gingen bei ihm und einem Konkurrenzunternehmen bei insgesamt fünf Bränden mehr als 20 Busse in Flammen auf. "Ich weiß nicht, wer dahinter steckt. Auf jeden Fall nicht mein Sohn", betont der Zeuge und es klingt ein bisschen verzweifelt. Auch den 27 Jahre alten ehemaligen Mitarbeiter auf der Anklagebank, der einmal gezündelt haben soll, hält er für unschuldig. Der Sohn, davon geht die Anklage aus, soll es auf Geld von der Versicherung abgesehen haben, um dem finanziell angeschlagenen Familienunternehmen aus der Patsche zu helfen. Für den Verkauf der Busse hätte er mehr bekommen als von der Versicherung, sagt der Vater. Er räumt aber ein, dass sich sein Sohn um die Finanzen gekümmert hat. Der habe auch die Erweiterung des Unternehmens für nötig gehalten, gegen die sich der Seniorchef offenbar anfangs sträubte. Neue Strecken, mehr Busse, mehr Fahrer. "Das war notwendig, um zu überleben", sagt der Ältere heute. Von der Steuerhinterziehung, die sein Sohn zu Prozessbeginn gestand, habe er erst im Nachhinein erfahren.

Schweres Geschütz fährt der zweite Zeuge des gestrigen Prozesstages auf. Michael M. habe sich ihm gegenüber als Brandstifter zu erkennen gegeben, betont der ehemalige Mitarbeiter. Und zwar habe M. ihm gestanden, den Brand bei der Parchimer Konkurrenzfirma Ende Februar 2011 gelegt zu haben. Noch vor Beginn der Brandserie habe er ihn selbst als Feuerteufel anheuern wollen. "Er bot mir 6000 Euro dafür an", erklärt der 21-Jährige. Ein Angebot, über das er nachgedacht - aber dann doch abgelehnt habe. Beim ersten Brand im Februar fiel die Halle der Firma M. den Flammen zum Opfer. Eine Woche davor, so der Zeuge, sei die Versicherung erhöht worden. Bei seinen ersten polizeilichen Vernehmungen hatte der junge Mann Michael M. nicht beschuldigt. "Da habe ich gelogen", sagt er heute. Dass er belastende Äußerungen unterlässt, habe er seinem Chef damals versprochen und sogar schriftlich gegeben. Der Zettel liegt dem Gericht vor. Der junge Mann, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, stand offenbar eine Zeitlang selbst in Verdacht, zu den Brandstiftern zu gehören. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass es noch weitere Tatbeteiligte gibt. Für den Indizienprozess hat das Gericht inzwischen Termine bis Ende November geplant.

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