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Mecklenburg-Vorpommern : Schuldnerberater in Finanznot

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Träger beklagen geringe Unterstützung vom Land / Erste Schließung angekündigt

svz.de von
erstellt am 24.Jun.2014 | 22:00 Uhr

Die Schuldnerberatungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern geraten selbst zunehmend in Not: Seit 2010 habe das Land seinen Anteil an der Finanzierung der aktuell 24 Beratungsstellen nicht mehr erhöht, beklagten gestern in Schwerin Vertreterinnen der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Es seien aber nicht nur zusätzliche Aufgaben auf die Schuldnerberater zugekommen. Auch die Sachkosten seien in den letzten 15 Jahren enorm gestiegen: Mieten um 35 Prozent, Stromkosten auf das Doppelte und Heizkosten auf das Vierfache. Dennoch blieb die Sachkostenpauschale seit 1999 unverändert.

Die Träger, die ihre Finanzierung auf dem Versprechen einer 50-prozentigen Förderung durch das Land und eines 45-prozentigen Zuschusses vom Landkreis aufgebaut hätten, blieben auf immer größeren Eigenanteilen sitzen, so Ursula Schumacher, die Vorsitzende des Fachausschusses Beratungsdienste der Liga. Dabei dürften die Beratungsstellen selbst gar keine Gewinne erwirtschaften. Das Diakoniewerk habe bereits angekündigt, seine Schuldnerberatung in Schwerin zum Jahresende zu schließen. Bei anderen Trägern sei die Situation ähnlich prekär, die Landkreise würden versuchen, ihnen unter die Arme zu greifen. Aber: „Wir benötigen dringend eine Landeszuweisung, um die Deckungslücke zu schließen“, forderte Schumacher. Anderenfalls würden weitere Beratungsstellen die Arbeit einstellen.

Andere Bundesländer ließen sich die Schuldner- und Insolvenzberatung sehr viel mehr kosten, so die Liga-Vertreterin: Sachsen-Anhalt fördere jeden in Vollzeit beschäftigten Berater mit 43 000 Euro, Thüringen gebe 42 000 Euro. Mecklenburg-Vorpommern dagegen zahle nur 28 204 Euro.

In anderen Bundesländern gebe es allerdings auch viel weniger Schuldnerberater, hält das hiesige Sozialministerium dagegen: Während hier ein Berater auf 25 000 Einwohner käme, sei das Verhältnis in Sachsen-Anhalt 1:65 000, in Thüringen sogar 1:100 000. Der Landesanteil von jährlich 1,8 Millionen Euro sei konstant geblieben, obwohl die Beratungszahlen tendenziell rückläufig seien. Bei der Berechnung der Landesförderung pro Einwohner liege MV bundesweit auf dem vierten Platz. In anderen Ländern würde allerdings ein Teil der Arbeit der Schuldnerberater aus Sparkassenmitteln finanziert – aus Sicht der Betroffenen wäre das auch für MV ein Weg aus der Finanzmisere.

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