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Beratungsstellen stoßen an ihre Grenzen : Schuldner drücken 98 Millionen Euro

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Immer mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind überschuldet. Allein in den 28 Schuldnerberatungsstellen des Landes meldeten sich im vergangenen Jahr rund 4300 Frauen und Männer.

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erstellt am 28.Apr.2011 | 09:22 Uhr

Schwerin | Immer mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind überschuldet. Allein in den 28 Schuldnerberatungsstellen des Landes meldeten sich im vergangenen Jahr rund 4300 Frauen und Männer, wie Andreas Hampel von der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung sagte. Das sei aber nur die Spitze des Eisbergs. "Wir gehen davon aus, dass nur etwa zehn Prozent der Überschuldeten unsere Beratung in Anspruch nehmen", sagte er. Die Berater betreuen Klienten mit einer Überschuldungslast von insgesamt 98 Millionen Euro. Sowohl die Zahl der Ratsuchenden als auch die Höhe der Gesamtschulden sei in den vergangenen Jahren gestiegen, sagte Hampel. Die Schuldnerberatungsstellen stoßen mittlerweile an ihre Grenzen und haben zum Teil bereits monatelange Wartezeiten.

Immer mehr Haushalte flüchten in die seit zwölf Jahren mögliche Privat- oder Verbraucherinsolvenz. Nach Recherchen der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel meldeten im vergangenen Jahr 2946 Frauen und Männer bei den Amtsgerichten im Land Privatinsolvenz an. Das waren rund 200 Fälle mehr als 2009. In Mecklenburg-Vorpommern lag 2010 der Anstieg der Privatinsolvenzen mit 7,3 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 6,4 Prozent.

Auf 100 000 Einwohner kamen im Vorjahr 176 Privatinsolvenzen, was einen Mittelplatz im bundesweiten Vergleich darstellt. In diesem Ranking liegt Bremen mit 307 Insolvenzen vorn, während Bayern mit 125 die geringste Quote aufweist.

Die Ursachen der Überschuldung sind nach Hampels Worten in allen Bundesländern ähnlich. Immer mehr Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor, Arbeitslosigkeit, Scheidungen sowie ausufernde Handykosten und leichtfertige Käufe über Kataloge oder Internet spielen eine große Rolle. Zunehmend seien es junge Leute, die ihre finanzielle Situation nicht richtig einschätzen können, sagte Hampel. Er begrüßte deshalb das Modellprojekt "Ich hab mein Geld im Griff" von Caritas, Uni Greifswald und Sponsor Nordmetall-Stiftung, das Schüler über den Sozialkundeunterricht hinaus näher an den Umgang mit Geld heranführt. Die Beratungsangebote könnten auch andere Schulen in Anspruch nehmen, sagte er.

Der Beratungsbedarf wächst, aber den Schuldnerberatern fehlen die Mittel. Laut Sozialministerium wurden zwar im Doppelhaushalt 2010/11 die Hilfen für die Schuldnerberatungen um jeweils 200 000 Euro auf 1,8 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt. Damit sei Mecklenburg-Vorpommern bundesweit Spitze. Das Geld reiche aber nicht, sagte Cornelia Zorn von der Stralsunder Schuldnerberatung des Arbeitslosenverbands. Dabei zahle sich jeder Euro doppelt aus. Nach Berechnung der Landesarbeitsgemeinschaft sparen Land und Kommunen jährlich das Doppelte der eingesetzten Finanzen durch die Arbeit der Schuldnerberater, etwa durch reduzierte Sozialleistungen oder Gerichtskosten.

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