Schütteltod eines Babys

Ein heute 36 Jahre alter Vater soll sein elf Wochen altes Baby derart geschüttelt haben, dass es an den Verletzungen starb. Gestern forderte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer vor dem Rostocker Landgericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge eine fünfjährige Freiheitsstrafe für den Mann.

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13. Oktober 2009, 07:51 Uhr

Rostock | Die kleine Juliette wurde nicht mal fünf Monate alt. Die letzten Lebenswochen verbrachte das Baby in verschiedenen Krankenhäusern. Doch die Ärzte konnten das Leben des Kindes nicht mehr retten. Es starb nach einer Lungenentzündung in einer Rehaklinik. Den Tod hat der Vater verursacht, davon ist Staatsanwältin Tanja Bierfreund fest überzeugt. Er habe das Kind "derart aggressiv" hin und her geschüttelt, dass der kleine Kopf ungeschützt hin und her geflogen sei. Das habe schließlich zu schwersten Hirnschädigungen geführt, die letztlich Ursache für den Tod des Kindes waren. Den Zusammenhang hat ihrer Auffassung nach auch das Gutachten des Gerichtsmediziners gezeigt. Der Vater hat der Staatsanwältin zufolge den Tod seiner Tochter fahrlässig verursacht.

Matthias K. hatte schon zu Prozessbeginn im Mai seine Version von dem tragischen Geschehen geschildert: Er hat die Elternzeit genommen, sich um die Kleine gekümmert, weil er ohnehin arbeitslos war, seine Verlobte aber einen festen Job bei einer Reinigungsfirma hatte. So hat er auch am Tattag das Kind umsorgt. Es war sehr unruhig und hat viel geschrien. So habe er es aus dem Bettchen genommen und ihm noch einmal die Flasche gegeben. Es habe aber nur wenig getrunken, sich verschluckt und plötzlich nicht mehr geatmet. Die Ärmchen hingen schlaff zur Seite, schilderte er. In Panik habe er das Baby mit beiden Händen an den Füßen gepackt und kopfüber nach unten gehalten. Er dachte, so läuft ein Teil der verschluckten Nahrung wieder heraus. Dann habe er das Kind geschüttelt. Als sich dessen Zustand nicht besserte, rief er den Notarzt und leitete noch selbst nach telefonischer Anleitung der Mediziner erste Hilfsmaßnahmen ein.

"Er wusste damals genau, dass man ein Baby nicht schütteln darf", sagte die Staatsanwältin. Sie habe nach all den vielen Verhandlungstagen keine Reue bei ihm feststellen können, fügt sie hinzu. Jeder zeige Reue auf seine Art, erwidert Verteidigerin Christine Habetha. Ihr Mandant habe in der Geburt von Juliette einen "goldenen Startschuss" in ein neues, harmonisches Familienleben gesehen. Er habe das Kinderzimmer liebevoll eingerichtet und einen Wickeltisch gebaut. Er wollte sich um Juliette kümmern, habe aber keine Erfahrung im Umgang mit Babys gehabt.

Weitere Misshandlungen nicht bestätigtAuch für die Anwältin ist klar: "Juliette wäre nicht gestorben, wenn ihr Vater sie nicht geschüttelt hätte." Er habe ihr helfen wollen, aber er habe eine "denkbar ungeeignete Methode" gewählt. Juliette sei bis zu dem Abend ein gesundes, rosiges Kind gewesen. Die Ärzte, die das Kind am Tattag in der Rostocker Klinik untersuchten, hatten auch ältere Hämatome am Oberkörper des Babys festgestellt. Aber Vermutungen, es habe weitere Misshandlungen gegeben, hatten sich vor Gericht nicht bestätigt.

Die Verteidigerin hielt in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von drei Jahren für angemessen. Das würde bedeuten, Matthias K. muss ins Gefängnis. Dort hat er zuletzt bis August diese Jahres gesessen. Das Gericht hatte ihn unmittelbar nach Prozessbeginn wegen Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft nehmen lassen. Die Richter befürchteten, dass er den damals 17-jährigen Sohn seiner Lebensgefährtin bei dessen Zeugenaussage vor Gericht beeinflusst. Der Junge war zur Tatzeit in der Wohnung, die Mutter arbeiten.

Es tue ihm leid, beteuert der Angeklagte, dem am Ende des Prozesses das letzte Wort zusteht. "Ich weiß, dass ich einen Fehler begangen habe, der leider tödlich war", sagte er unter Tränen. Er werde immer damit leben müssen. Das Urteil soll am 21. Oktober gesprochen werden.

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