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Teddybärkrankenhaus : Schnupfen im Weltall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teddybärkrankenhaus nimmt Kindern Angst vor Ärzten - Das Projekt nützt auch Medizinstudenten

svz.de von
erstellt am 06.Mai.2014 | 07:00 Uhr

Flossenbruch und Weltraumschnupfen: Ein Klinikbesuch mit Stofftieren kann Kindern die Angst vor Ärzten nehmen.

„Wir haben festgestellt, dass Kinder, die zuvor mit ihrem Stofftier das Teddybärkrankenhaus besucht hatten, ruhiger und gelassener im Umgang mit dem Thema Krankenhaus waren“, sagte der Schirmherr des studentischen Sozialprojektes, Professor Wolfgang Hoffmann, gestern in Greifswald. Bis Samstag werden im Greifswalder Teddybärkrankenhaus rund 1000 Kinder erwartet, deren Stofftiere von angehenden Medizinern - sogenannten Fachärzten für Stofftierheilkunde - untersucht und behandelt werden.

Die Teddybärklinik am Greifswalder Uni-Klinikum wird bereits zum 10. Mal durchgeführt. Die Idee der „Teddy-Docs“ stammt aus den USA und soll Kindern die Angst vor dem weißen Kittel und einem Krankenhaus-Aufenthalt nehmen.


Kinder sind heute eher seltene Patienten


Gerade Kinder aus bildungsfernen Haushalten hätten große Schwellenängste vor einem Arzt- und Krankenhausbesuch, sagte Hoffmann, zugleich Leiter des Instituts für Community Medicine.

„Das Projekt ist Prävention ganz am Anfang des Lebens.“ Zugleich üben angehende Mediziner und Pharmazeuten den Umgang mit jungen Patienten. Kinder seien angesichts des demografischen Wandels heute eher seltene Patienten, sagte Bernhard Scholz, einer der beiden studentischen Leiter. Das Projekt helfe Studenten in den unteren Semestern, Berührungsängste im Umgang mit Kindern abzubauen. Die Stofftiereltern werden zum Gesundheitszustand von Teddy und Co. befragt. Gemeinsam wird dem Kuscheltierpatienten in die Schlappohren geschaut oder das Krokodil-Gebiss auf Karies untersucht.

Das von den Kindern erdachte Krankheitsbild reicht von Bauchschmerzen über Weltraumschnupfen bis zum Beinbruch. Ein Fuchs hatte zu viele Hühner gefressen und musste deshalb gegen Vogelgrippe geimpft werden, wie Ronald Wischer, zweiter studentischer Leiter, berichtete. Das Greifswalder Teddybärkrankenhaus wird in diesem Jahr erstmals als Praktikum in der studentischen Ausbildung anerkannt. Am Uni-Klinikum Rostock gibt es seit 2012 einen Organ-Teddybären, mit dem Kindern die Angst vor der Klinik genommen werden soll.

Ende der 1990er-Jahre kam die Idee nach Europa, wo zunächst skandinavische Krankenhäuser zur Kuscheltier-Sprechstunde luden. Von dort übernahmen Medizinstudenten in Deutschland das Projekt.

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