Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU Direktkandidat im Müritzkreis : Ringguth entscheidet Machtkampf für sich

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Der "Platzhirsch" hat seinen Rivalen geschlagen. Wolf-Dieter Ringguth hat die Hürde übersprungen: Mit einer Zweidrittelmehrheit nominierten die CDU-Mitglieder des Müritzkreises Ringguth als Direktkandidaten.

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25. November 2010, 11:14 Uhr

Sein Gegenspieler, der 27 Jahre alte Chef der Jungen Union im Müritzkreis Henning Muske, musste den Kürzeren ziehen.

Dabei galt schon die selbstbewusste Ankündigung, gegen Ringguth - immerhin auch Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag - anzutreten, als eine Sensation. Gleiches hatte immerhin auch Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Jürgen Seidel, Ex-Landrat an der Müritz, tunlichst vermieden und sich weiter nördlich, in Demmin, als Direktkandidat, aufstellen lassen.

Doch hat die Kandidatur Muskes für das Schweriner Schloss, den nicht nur seine Junge Union, sondern auch einige Ortsverbände vorschlugen, eines offenbart: Die tiefe Zerrissenheit der Christdemokraten rund um die Müritz, die sich seit Monaten gegenseitig "zerfleischen".

Hintergrund der Streiterei: die Kreisgebietsreform. Wohl nirgendwo anders in Mecklenburg-Vorpommern ist so heftig über Für und Wider des Reformpaketes gerungen worden wie im Müritzkreis, der nach dem Willen des Landtags im nächsten Herbst als politisches Gebilde von der Landkarte verschwindet. Das rührt am Selbstbewusstsein der Leute - bis hinein in die CDU. Hier haben es große Teile der Basis bis heute nicht verwunden, dass ihre Führung, früher als vehementer Streiter gegen die Neuaufteilung des Landes an der Müritz gerühmt, unter Innenminister Lorenz Caffier (CDU) den Salto rückwärts vollzog und verkündete, zur Gebietsreform gebe es keine vernünftige Alternative. Man wollte die Leute beim Wort nehmen.

Im innerparteilichen Leben stellten sich die Christdemokraten bis zum Kreisparteitag zu Wochenbeginn in Röbel genau so zerrissen dar, wie im Frühjahr, als die unterschiedliche Stellung einzelner Ortsverbände und vieler Mitglieder zur Kreisgebietsreform die Partei fast zu sprengen drohte. Selbst ein auf Antrag dreier Ortsverbände hastig organisierter Sonder-Kreisparteitag in Grabowhöfe im vergangenen Juni hat die Gräben nicht zuschütten können, die entstanden waren, weil sich Kreisvorsitzender Ringguth und der Chef der CDU-Fraktion im Kreistag, Thomas Diener, mit vielen anderen auf die Seite der Gebietsreform-Befürworter geschlagen hatten. Selbst der hauchdünne Sieg der Reformgegner, die erreicht hatten, dass sich die Kreis-CDU für eine Klage gegen die Auflösung des Müritzkreises auszusprechen hatte, konnte den innerparteilichen Frieden nicht wieder herstellen.

Das hat der Chef der Jungen Union versucht auszunutzen. Die Unzufriedenheit vieler Mitglieder mit dem Führungsstil von Ringguth und Co., festgemacht an der mangelnden Kommunizierung in Sachen Kreisgebietsreform, und markige Worte des Herausforderers ("mangelnde Glaubwürdigkeit") haben dennoch nicht gereicht, Ringguth aus dem Sattel zu werfen. Zu groß die Furcht, der politische Neuling verliert den Wahlkreis an den Konkurrenten von der SPD, Rudolf Borchert, den dessen Partei ins Rennen schickt.

Aber eines haben die Kritiker erreicht: Wolf-Dieter Ringguth hat auf seine Wiederwahl als Vorsitzender der Müritz-CDU verzichtet. Mit ihm, so sein Eingeständnis, könne die Partei nicht wieder geeint werden. Er habe seine Lektion gelernt, so ein zerknirschter Ringguth, und werde auch künftig angesichts seiner zahlreichen Aufgaben öfter mal Nein sagen. Seine Konzentration gelte jetzt der Arbeit im Landtag. Zum neuen Vorsitzenden der Müritz-CDU ist der Landwirt Thomas Diener gewählt worden.

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