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Notfallsanitäter : Retter bangen um Nachwuchs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weil in Mecklenburg-Vorpommern die rechtlichen Grundlagen fehlen, können keine Notfallsanitäter ausgebildet werden

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 07:44 Uhr

Erna kommt. Genauer gesagt: Wolfgang Lippert, der durch den gleichnamigen Titel bekannt wurde, kommt heute nach Schwerin. Als Jubiläumsbotschafter soll er im 150. Jahr des Bestehens des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf dessen Rettungsdienstkongress für gute Laune sorgen. Doch die Stimmung im Landesverband ist gedrückt. Denn das DRK, das mit 900 hauptamtlich Beschäftigten in 84 Rettungswachen den Rettungsdienst im Land zu etwa 70 Prozent absichert, fürchtet um die Qualität der Versorgung. Hintergrund ist ein zu Jahresbeginn in Kraft getretenes neues Bundesgesetz über den Einsatz von Notfallsanitätern, erläutert der Präsident des DRK-Landesverbandes, Werner Kuhn. Eigentlich eine gute Sache, weil das aus dem Jahr 1989 stammende Berufsbild des Rettungsassistenten endlich den heutigen medizinischen Gegebenheiten angepasst und der neue Notfallsanitäter zudem mit weiterreichenden Kompetenzen ausgestattet wird. Doch hier im Land sei bisher weder über Ausbildungsstätten noch über die Kostenübernahme verhandelt worden, bedauert Kuhn. Beides gehöre, wie auch die Wasserrettung, in das neue Rettungsdienstgesetz des Landes. Über die Novelle werde schon seit Langem debattiert, auf dem heutigen Kongress wolle er bei Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) darauf dringen, dass es nun endlich zu greifbaren Ergebnissen kommt, so Kuhn.

Die Befürchtung ist, dass mit jedem Monat, der ins Land geht, die Gefahr einer Versorgungslücke in den nächsten Jahren größer wird. Bislang bildete das DRK in seiner Teterower Bildungsstätte jährlich 20 Rettungsassistenten aus. Die Kosten für die zweijährige Ausbildung – ca. 6000 Euro – trugen die Betroffenen selbst. Das neue Bundesgesetz sieht vor, dass die Krankenkassen die künftig dreijährige Ausbildung bezahlen, doch dazu müssen auf Landesebene vertragliche Regelungen getroffen werden. Unklar sei auch, wer die Ausbildungskosten für Rettungsassistenten trägt, die sich weiterbilden wollen, so der DRK-Landesarzt Dr. Bernd Müllejans. In Teterow könnte sofort mit der Ausbildung von Notfallsanitätern begonnen werden, doch habe das Sozialministerium dafür noch keine Genehmigung erteilt. Wenn, wie die SPD-Landtagsfraktion ankündigte, das Rettungsdienstgesetz wirklich erst zum Jahresende beschlossen würde, bedeute das, dass erst 2018 die ersten Notfallsanitäter ausgebildet wären.

„Dieser Zeitverzug ist unverantwortlich“, kritisierte gestern die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Karen Stramm. Die Novellierung des Rettungsdienstgesetzes, das aus dem Jahr 1993 stammt, müsse höchste Priorität haben. Denn noch stehen bei uns statt Notfallsanitätern Rettungssanitäter und -assistenten im Gesetz.

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