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Anklage gegen Ex-Linken-Politiker : Rechte Schläger oder Angriff vorgetäuscht?

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Zweifel an Messerattacke: Anklage gegen 19-jährigen, früheren Linkenpolitiker

svz.de von
erstellt am 14.Jul.2016 | 11:50 Uhr

Ein früherer Linken-Nachwuchspolitiker aus Schwerin hat die Messer-Attacke von Rechtsradikalen nach Überzeugung der Ermittlungsbehörden nur vorgetäuscht. Die Staatsanwaltschaft Schwerin erhob daher Anklage beim Amtsgericht Schwerin wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat. „Nach dem Ergebnis der Ermittlungen ist der Angeschuldigte hinreichend verdächtig, einen in seiner Strafanzeige am 05.01.2016 beschriebenen Überfall auf seine Person erfunden zu haben“, teilte die Staatsanwaltschaft heute mit. Der Vorfall soll sich ein Tag zuvor ereignet haben.

Die Anzeige erfolgte online über die sogenannte Internetwache der Polizei. Der 19-Jährige aus Schwerin war nach eigenen Angaben in einem Park am Bahnhof von Wismar niedergeschlagen und mit einem Messer verletzt worden. Als Täter benannte er drei ihm unbekannte, der rechten Szene angehörende Männer. Laut Staatsanwaltschaft offenbarte die Rekonstruktion der Tat vor Ort aber erhebliche Widersprüche zu den Schilderungen des jungen Mannes. Zudem habe die rechtsmedizinische Untersuchung ergeben, dass die Schnittverletzungen nicht mit dem behaupteten Verlauf des Überfalls in Übereinstimmung zu bringen waren und „Merkmale einer Selbstbeibringung“ aufwiesen.

Laut Staatsanwaltschaft bestreitet der heute 19-Jährige, der zur vermeintlichen Tatzeit in Wismar studierte, den Täuschungsvorwurf. Er halte an seiner eigenen Schilderung fest. Zeugen gab es nicht. Die angebliche Messer-Attacke von Rechtsradikalen hatte zu Jahresbeginn bundesweit für Aufsehen gesorgt. Führende Vertreter mehrerer Parteien hatten unmittelbar nach Bekanntwerden mit Entsetzen auf die Nachricht reagiert und sich mit dem jungen Mann solidarisiert. Doch schon wenig später waren Zweifel an dessen Darstellung aufgekommen. Wie der Schweriner Kreisvorsitzende der Linken, Peter Brill, heute Abend mitteilte, ist der junge Mann schon im März aus der Partei Die Linke ausgetreten.

Laut Staatsanwaltschaft sieht das Strafgesetzbuch bei Vortäuschung von Straftaten je nach Schwere entweder Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren vor.

In sozialen Netzwerken: Welle der Solidarität
Vertreter mehrerer Parteien hatten unmittelbar nach Bekanntwerden mit Entsetzen auf die Nachricht reagiert und sich mit dem jungen Mann solidarisiert. Der Linksfraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, schrieb auf Facebook: „Welcher Hass und welche kriminelle Energie muss in Menschen stecken, die den Tod eines Zwanzigjährigen in Kauf nehmen, dessen politische Gesinnung ihnen nicht gelegen ist?  Ich kenne Julian gut, er ist ein toller Student, dessen besonnenes politisches Engagement ich sehr schätze.“ Jetzt löschte er diese Meldung.

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