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Manuela Schwesig m Interview : Prinzip des ,leeren Stuhls‘

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig setzt auf eine familienfreundlichere Arbeitswelt und plant für 2015 ein Gesetz zur Frauenquote.

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Mit ihrem Vorschlag, eine 32-Stunden-Woche für Eltern mit Kleinkindern einzuführen, hat Manuela Schwesig (SPD), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, für Aufsehen gesorgt. Im Interview mit Rasmus Buchsteiner spricht sie über eben dieses Thema, das Kindergeld sowie die Große Koalition.


Sie sind die erste Ministerin in dieser Koalition, die von der Kanzlerin zurückgepfiffen worden ist. Von Ihrer „Vision“ einer 32-Stunden-Woche für Eltern mit kleinen Kindern hält Merkel jedenfalls nichts. Wie groß ist die Enttäuschung?

Schwesig: Das sehe ich sportlich! Es ist meine Aufgabe als Familienministerin, gesellschaftliche Debatten anzustoßen. Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf brennt vielen Eltern in Deutschland unter den Nägeln. Sie stehen unter massivem Druck. Die Wirtschaft will, dass sie immer flexibler und arbeitsfreundlicher werden. Dabei muss die Arbeitswelt familienfreundlicher werden.


Laut einer Studie der IG Metall wünscht sich rund die Hälfte der Beschäftigten kürzere Arbeitszeiten, etwa um mehr Zeit für ihre kleinen Kinder zu haben. Wann liefern Sie?
Innerhalb der ersten hundert Tage werden wir Eckpunkte zum Elterngeld Plus vorlegen. Das Gesetz soll noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. Das ist ein erster wichtiger Schritt. Derzeit werden Väter und Mütter, die nach einer Auszeit wieder schnell zurück in den Beruf gehen, beim Elterngeld benachteiligt. Das wollen wir ändern: Wer Teilzeit arbeitet, soll künftig den vollen Anspruch des Elterngeldes nutzen können.


Elterngeld plus – ist das alles?
Ich werde mit Arbeitgebern und Gewerkschaften über weitere Schritte hin zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie sprechen. Da gibt es viele gute Modelle. Ich kenne viele Arbeitgeber, die konkret über familienfreundlichere Arbeitszeiten nachdenken. Der drohende Fachkräftemangel hat den Druck erhöht. Bei der Familienarbeitszeit geht es übrigens darum, dass Frauen nicht nur wenige Stunden in einer Art Mini-Teilzeit arbeiten, sondern ihre Stunden erhöhen. Das gelingt nur, wenn beide, Vater und Mutter, sich die Erziehung partnerschaftlich teilen. Hinzu kommt der Rechtsanspruch auf die Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit.


Fulltime-Job als Bundesministerin in Berlin, Ihr Mann und Ihr Sohn wohnen aber weiter in Schwerin – wie schaffen Sie es, Familie und Politik unter einen Hut zu bringen?
Mein Mann und ich machen den gleichen Spagat wie viele andere Familien auch. Wir teilen uns die Erziehung unseres Sohnes partnerschaftlich: mein Mann hat seine Arbeitszeit reduziert, arbeitet einen Tag von zu Hause aus. Schon in den letzten Jahren bin ich viel unterwegs gewesen. Insofern wissen wir, wie es sich anfühlt, dass ich nicht jeden Abend zu Hause sein kann.


Wie schaffen Sie sich Freiraum?
Ich versuche, mir den Mittwochnachmittag möglichst frei von Terminen zu halten. Dann hole ich meinen Sohn vom Hort ab und wir sind bis zum Abend zusammen. Ich bin ja den größten Teil der Woche in Berlin oder in der Republik unterwegs.


Familien brauchen nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Eigentlich müsste jetzt zusammen mit den steuerlichen Kinderfreibeträgen das Kindergeld erhöht werden. Wollen Sie den Familien in Deutschland das vorenthalten?
Moderne Familienpolitik besteht für mich aus einem Dreiklang: Geld, Zeit und Infrastruktur. Wir werden in den nächsten vier Jahren sechs Milliarden Euro zusätzlich für Kitas, Schulen und Hochschulen bereitstellen. Das sind etwa 100 Euro pro Kind pro Monat, allein bei der Infrastruktur. Bei den materiellen Leistungen setze ich auf Kindergeld, Kinderzuschlag und Kinderfreibeträge.


Thema Frauenquote – wann machen Sie ernst und legen einen Gesetzentwurf vor?
Die Eckpunkte will ich innerhalb der ersten 100 Tage vorlegen. Das Gesetz wird in diesem Jahr auf den Weg gebracht, damit es 2015 in Kraft tritt. Dieses Gesetz wird aus drei Teilen bestehen: Wir wollen eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte von börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Konzernen. Das sind etwa 120 Unternehmen in Deutschland. Darüber hinaus soll es für weitere 2500 Großunternehmen die Verpflichtung geben, sich selbst Zielvorgaben für den Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und der obersten Managementebene zu setzen. Auch im öffentlichen Bereich gibt es Nachholbedarf.


Wird es Sanktionen für Unternehmen geben, die sich nicht an Quoten-Vorgaben halten?
Bei der verbindlichen Quote von 30 Prozent in Aufsichtsräten wird es als Sanktion das Prinzip des ,leeren Stuhls‘ geben. Wird die Quote nicht eingehalten, bleibt das jeweilige Aufsichtsratsmandat unbesetzt.


 

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