Polizei ermittelt gegen Polizisten

Knapp drei Stunden haben Einsatzkräfte nach der jungen Frau im vier Meter tiefen Teich gesucht.
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Knapp drei Stunden haben Einsatzkräfte nach der jungen Frau im vier Meter tiefen Teich gesucht.

Nach dem Tod der 18-jährigen Frau in Dorf Mecklenburg ermittelt die Polizei gegen einen Beamten der Einsatzleitstelle Schwerin. Hat er die Feuerwehr zu spät über den Notruf informiert? Die Rede ist von einer 16-minütigen Verzögerung. Nach der Zeugenvernehmung schließt derweil die Staatsanwaltschaft ein Verbrechen aus.

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22. Dezember 2008, 11:53 Uhr

Dorf Mecklenburg | Der Notruf ist bei der Einsatzleitstelle der Polizeidirektion Schwerin eingegangen. Am Freitagabend gegen 21.10 Uhr. Der diensthabende Beamte hat ihn zwar entgegengenommen, aber "nach Auffassung der Behörde nicht alle Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet, die zur Rettung der ertrinkenden Frau notwendig gewesen wären", so Polizeisprecher Klaus Wiechmann.

Im Detail: Der Beamte habe zwar das zuständige Polizeirevier in Wismar alamiert, aber "erst mit einer Verzögerung von 16 Minuten die Rettungsstelle der Feuerwehr über diesen Vorfall informiert". Die Kriminalinspektion ermittele nun wegen unterlassener Hilfeleistung.

Müll über Müll. Dort, wo die junge Frau Freitagabend versank, schwimmen Flaschen, Bierkästen, liegt ein verschlammtes Fahrrad und hängt schräg ein kaputter Zaun. Der ehemalige Löschteich in Dorf Mecklenburg ist nicht schön anzusehen. Gerade gewachsen stehen die Birken und Weiden drumherum, aber der Müll… Er war es auch, der laut Aussagen von Manuela Lenz (28) die Suche der Einsatzkräfte so erschwert hat. "Da hinten an der Weide haben sie die Frau rausgeholt, sie lag so halb unter einem versunkenen Einkaufswagen, deswegen hat es bald drei Stunden gedauert."

Manuela Lenz wohnt in dem Häuserblock in der Mecklenburger Straße, in dem die verstorbene Frau am Freitagabend gefeiert hat. "Sie war zu Besuch bei einer Freundin, vielleicht eine Auszugs-Feier, sie hat die Wohnung aufgegeben." Eine Feierlichkeit, auf der es nach Polizeiangaben heftige, verbale Auseinandersetzungen gegeben hat. Wonach die Frau - laut Polizei aus dem Ort, laut Bewohnern aus Wismar - ins etwa 30 Meter entfernte Wasser ging, erst noch schwimmt, dann aber versinkt. Bekannte rufen 21.10 Uhr den Notruf. 18 Einsatzkräfte der umliegenden Ortswehren kommen zur Hilfe, Taucher auch. Sie finden stark alkoholisierte Jugendliche vor, sodass zunächst gar nicht klar ist, ob überhaupt eine Person im Teich ist. Dies aber bestätigt sich: Gegen Mitternacht ziehen sie die Frau aus dem kalten Wasser. Ein Notarzt kann sie reanimieren, bringt sie in die Uniklinik Rostock - wo sie wenige Stunden später verstirbt.

"Die Zeugen sind vernommen, danach schließen wir ein Verbrechen aus", sagt Hans-Christian Pick, Sprecher der Staatsanwaltschaft Schwerin. Auch von der in Rostock angeordneten Obduktion der Leiche verspreche er sich "nichts Spektakuläres". "Wahrscheinlich werden wir nie richtig aufklären können, warum die Frau ins Wasser ging." Selbstmord, Unfall, darauf gebe es keinerlei Hinweise.

Elke Lietz (53) ist Lehrerin an der "Tisa von Schulenburg"-Schule des Ortes. Sie wohnt im Häuserblock gleich neben dem Unfallort. Zum Aufgang, in dem die Feier stattfand, sagt sie nur: "Es wird dort viel Alkohol getrunken und oft laute Musik gehört, auch rechtsextreme." Die Menschen, die darin wohnen, lebten von Hartz IV, seien sozialschwach. Die Verstorbene sei in Dorf Mecklenburg nicht bekannt gewesen.

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